307 Jahre vereinigt im Königreich

Hintergrund18. September 2014, 10:15
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Die Schotten stimmten beim Referendum für einen Verbleib bei England, Nordirland und Wales. Ein Überblick über Geschichte und Begriffe

Schottland bleibt Teil des Vereinigten Königreichs. Das entschieden die Schotten am 18. September, als sie über ihre Unabhängigkeit abstimmten. Seit 1707 sind Schottland und England im Königreich Großbritannien vereint. Schotten und Engländer können auf eine lange gemeinsame wie trennende Geschichte zurückblicken:

Durch das Referendum sind die Begriffe, die das Vereinigte Königreich und die Besitztümer der Krone definieren, wieder in den Fokus geraten. Im Folgenden ein Überblick über die verschiedenen politischen und geografischen Bezeichnungen:

Das Vereinigte Königreich

Das Vereinigte Königreich ist ein Unionsstaat, der aus vier Ländern besteht. Diese sind England, Nordirland, Schottland und Wales. Das Vereinigte Königreich heißt denn auch in seiner Langform "Das Vereinigte Königreich von Großbritannien und Nordirland". Nordirland, Wales und Schottland haben auch ihre eigenen Parlamente und Staatssekretäre in der Regierung in London.

Großbritannien

Großbritannien als geografischer Begriff bezeichnet die größte der Britischen Inseln. Die zweitgrößte Insel ist Irland, das politisch wiederum aus der Republik Irland und Nordirland (Teil des Vereinigten Königreichs) besteht. Der Begriff Großbritannien wird politisch auch verwendet, um die Länder England, Schottland und Wales zu bezeichnen. Das geht auf das Königreich Großbritannien zurück, das von 1707 bis 1801 existierte und die politische Union aus England und Schottland bezeichnete.

Geografisch ist das insofern nicht ganz korrekt, als mit England, Schottland und Wales (auf der Insel Großbritannien) Inseln verbunden sind, die politisch zum Vereinigten Königreich, geografisch jedoch nicht zu Großbritannien, sondern zu den

Britischen Inseln

gehören. Diese Inseln sind (neben Großbritannien und Irland) zum Beispiel die Isle of Wight (gehört politisch zu England), die Isle of Anglesey (Wales), die Hebriden, die Shetlands und die Orkney Islands (Schottland). Insgesamt besteht der Archipel aus rund 6.000 Inseln.

Staatsoberhaupt des Vereinigten Königreichs ist Queen Elizabeth II. Sie ist auch Chefin des

Commonwealth of Nations

In dem losen Staatenbund sind zahlreiche frühere englische Kolonien zusammengeschlossen, aber auch andere Länder. Das Commonwealth in seiner heutigen Form entstand im Jahr 1949 aus dem Empire. Momentan gibt es inklusive Großbritannien 53 Mitglieder, darunter so unterschiedliche Staaten wie Australien, Zypern, Nigeria, Samoa, Pakistan, Kanada und Ruanda. Nach Angaben des Commonwealth vereint der Verbund mehr als zwei Milliarden Menschen.

Ziele sind die gegenseitige Unterstützung sowie die Zusammenarbeit auf unterschiedlichen Gebieten. Es geht um Politik, Wirtschaft und Bildung. Alle vier Jahre werden die Commonwealth Games ähnlich den Olympischen Spielen veranstaltet. Laut den Befürwortern einer schottischen Unabhängigkeit soll das Land konstitutionelle Monarchie mit der Queen als Staatsoberhaupt und auch im Commonwealth bleiben.


Kronbesitzungen der britischen Krone

Auch die Kanalinseln (unter anderen Jersey und Guernsey) und die Isle of Man haben als Staatsoberhaupt Queen Elizabeth II. Im Gegensatz zu den Nationen des Commonwealth gelten die Kronbesitzungen jedoch nicht als unabhängige Staaten, ihre Einwohner haben spezielle britische Pässe. Die Inseln verfügen weitgehend über Autonomie, Gesetze, die in London beschlossen werden, gelten nicht notwendigerweise in den Besitztümern. Jedoch behält sich das Vereinigte Königreich das Recht vor, Gesetze, die in den lokalen Parlamenten beschlossen werden, aufzuheben. Das Vereinigte Königreich ist formal nur für Verteidigung und Außenpolitik zuständig. Die Inseln sind jedoch nicht wie das Vereinigte Königreich Teil der Europäischen Union, was sie als Steuerschlupflöcher in Verruf gebracht hat.

Britische Überseegebiete

Dazu gehören auf der ganzen Welt verstreute Kleinstgebiete, die den Restbestand des British Empire bilden, das einmal ein Fünftel der Landmasse der Erde umfasste.

Über diesen Inseln weht der Union Jack, Münzen zeigen den Kopf der Queen. Ein Gouverneur, der vom Außenministerium in London entsandt wird und zu zeremoniellen Anlässen eine weiße Uniform mit Tropenhelm und Federbusch trägt, wacht über die Einhaltung der Ordnung und die Verteidigung des Gebiets.

Die Überseegebiete haben ihre eigene Rechtshoheit. Ein Beispiel dafür ist die Todesstrafe, die das Vereinigte Königreich schon Anfang der 1970er-Jahre abschaffte, die es in einigen britischen Territorien - und damit Teilen des "unteilbaren Herrschaftsgebiets" - aber nominell bis 2002 gab.

(red, APA, Reuters, derStandard.at, 17.9.2014)

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