Die unheimlichen Grimassen der guatemaltekischen Mumien

Ansichtssache16. September 2014, 14:07
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Ein Fotograf begleitete Totengräber bei Exhumierungen auf einem Friedhof in der Hauptstadt Guatemalas

Die letzte Ruhe ist selten ewig. Um Platz für Neuzugänge zu schaffen, werden auf den meisten Friedhöfen befristete Grabbenutzungsverträge abgeschlossen. In Wien laufen sie in der Regel nach zehn Jahren aus, es sei denn, die Nachfahren ziehen eine Verlängerungsoption in Betracht.

Weil die Verwesung des menschlichen Körpers je nach Umgebung Jahrzehnte dauern kann, sehen sich die Totengräber bei der Aufbereitung oft mit den Resten des Vormieters konfrontiert. Vor vollständig mumifizierten Leichen stehen die Wiener anders als ihre Kollegen vom Friedhof La Verbena in Guatemala City normalerweise nicht.

"Haut, Knochen und ein fast konserviertes Gesicht"

Reuters-Fotograf Jorge Dan Lopez hat in den vergangenen Jahren immer wieder Aufnahmen von Friedhöfen in Guatemala gemacht. Nun veröffentlichte die Nachrichtenagentur eine Auswahl seiner Bilder von Exhumierungen in La Verbena. Viele der Leichen sind wegen der Hitze und der geringen Feuchtigkeit in den oberen Etagen der Sargwandnischen beängstigend gut erhalten.

Die Arbeiter, die Spitznamen wie "Coca", "Chucky", "Loco", "Wicho" und "Negro" tragen, sagten Lopez, dass ihnen auf dem Friedhof nichts zustoßen könne, denn die Toten würden über sie wachen. "Das Team begann, die Deckel und Ziegel der Grüfte aufzubrechen. Nach ein paar Minuten habe ich flüchtig die Ecke eines verfaulten Sarges gesehen. Schließlich wurden Haut, Knochen und ein fast vollständig konserviertes Gesicht mit einer unheimlichen Grimasse erkennbar", schreibt Lopez.

Während Geier über dem Friedhof kreisen, verstauen die Bestatter die Überreste in Plastiksäcken und bekleben sie mit Etiketten, auf denen Namen, Todesjahr und der frühere Standort des Sarges vermerkt sind. Den Hinterbliebenen steht frei, die Relikte abzuholen und selbst wiederzubestatten. Überreste, die nicht identifiziert werden können oder nicht abgeholt werden, werden mit Gabelstaplern in ein 30 Meter in die Erde geschlagenes Massengrab gebracht. (mcmt, derStandard.at, 16.9.2014)

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