Nessie-Touristiker wollen Unabhängigkeit Schottlands

16. September 2014, 12:48
1 Posting

Wirte und Händler am berühmtesten Loch der Highlands fürchten kaum negative Auswirkungen - "Schaffen es auch allein"

Schottlands Highlands leben vom Tourismus. Doch die Abstimmung über die Unabhängigkeit kommende Woche bringt die Wirte und Händler kaum aus der Ruhe. Im Gegenteil - am Loch Ness wünschen sich viele die Loslösung vom größten Handelspartner England. "Sie sagen uns immer, wir brauchen Großbritannien, aber das stimmt nicht. Wir schaffen es auch allein", sagt Gillian Cooper.

foto: ap/dan reiland
"Wir schaffen es auch allein", sagten Wirte und Händler am Loch Ness.


Made in Scottland

Die junge Frau hat in ihrem Heimatort Fort Augustus am Loch Ness ein Souvenirgeschäft eröffnet. Sie verkauft ausschließlich in Schottland hergestellte Produkte - von der Highland-Kräuterseife bis zu Halstüchern in traditionellen Mustern. "Wenn Du in die Geschäfte gehst, findest Du Sachen aus China oder sonst wo her. Ich finde es schön, Dinge aus meinem Heimatland zu verkaufen", sagt die Mittzwanzigerin. Demnächst will sie in das nächste Business einsteigen: Eine Hirsch-Farm. "Es gibt so viele Dinge, die Du in diesem Land machen kannst", schwärmt sie.

Hochburg der Nationalisten

Das schottische Hochland wählt traditionell eher links und ist seit der letzten Wahl eine Hochburg der Nationalisten. An vielen Straßen rund um das Loch Ness sind Häuser mit "Yes" verziert - einem Ja zur Unabhängigkeit. "Man sieht sie überall", räumt Caroline ein, die in einer Ausstellung über den Kaledonischen Kanal in Fort Augustus arbeitet. Sie will nicht für ein unabhängiges Schottland stimmen. Es sei wie mit dem Wetter, sagt Caroline: "Die Leute verstehen einfach nicht, wie schnell es umschwenken kann". Ohne gemeinsamen Staat sei auch der Schutz des geteilten Sozialsystems weg, glaubt die Mittfünfzigerin. Auch wenn viele in ihrer Umgebung für die Unabhängigkeit sind.

foto: reuters/cathal mcnaughton
Im Nationalbewusstsein nehmen die Highlands eine ganz besondere Stellung ein.


Highlands als nationales Heiligtum

Der hohe Norden Schottlands ist karg und spärlich besiedelt. Doch im Nationalbewusstsein spielen die Highlands eine umso größere Rolle. Das merkt man auch in ihrer Hauptstadt, Inverness. "Ich komme aus England, aber wenn ich nicht das Datum zur Registrierung versäumt hätte, hätte ich für die Unabhängigkeit gestimmt", sagte Mike, der im Phoenix Ale House kellnert. Er ist stolz auf seine neue Heimat und seine unberührten Wiesen und saubereren Flüsse. "Das britische Atomprogramm soll weg von der schottischen Küste", sagt Mike. Im Hafen Faslane sind die nuklear bewaffneten Trident-U-Boote stationiert. "Und die Regierung in London brauchen wir auch nicht", fügt er hinzu.

Mehr Geld soll im Land bleiben

Gegner der Unabhängigkeit warnen vor einem Schaden für die Wirtschaft Schottlands. Ein Preis, den manche für ihr Geschäft in Kauf nehmen würden. "Ich kann mit zwei bis drei Jahren an Schwierigkeiten leben, wenn es meine Kinder in 40 Jahren dafür besser haben", sagte Gerald. Sein kleines Glen Cafe liegt in der Ortschaft Drumnadrochit, die vom Tourismus am Loch Ness lebt. Ohne London würde Schottland finanziell unbeschwerter leben - mehr Geld bliebe im Land, glaubt der 51-Jährige. Auf den Fremdenverkehr werde eine Abspaltung kaum Auswirkungen haben. "Das Land heißt ja dann immer noch Schottland", sagt Gerald mit einem Grinsen. (APA, derStandard.at, 16.09.2014)

Share if you care.