Kim Dotcom: Wahlkampf mit Unterstützung von Snowden und Assange

16. September 2014, 12:34
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Umstrittener Megaupload-Gründer will neuseeländische Politik aufmischen - Wahlen am 20. September

Schon als Kim Dotcom noch Kim Schmitz hieß, zählte er zu jenem Personenkreis, den man gerne mit Attributen wie "schillernd" oder "umstritten" bedenkt. Mit Megaupload hatte er von Neuseeland aus den damals wohl erfolgreichsten File-Hoster aufgezogen, bis schlussendlich die neuseeländischen Behörden mit einer Razzia und der Festnahme von Dotcom und seinen Kumpanen dem Projekt ein Ende bereiteten.

Internet Mana Party

Einige Jahre später ist Dotcom umtriebiger denn je zuvor: Sein neuestes Betätigungsfeld ist dabei die Politik. Mit der Internet Mana Party - einer Kooperation mit der Mana Party, die sich für die Interessen der Maori einsetzt - soll das neuseeländische Parlament erobert werden. Dotcom selbst darf zwar nicht kandidieren, ist er doch kein neuseeländischer Staatsbürger, dies hält ihn aber nicht davon ab, sich sehr aktiv für den Wahlkampf einzusetzen.

Und für diesen hatte er sich am Montag äußerst prominente Unterstützung geholt, wie der Guardian berichtet: 1.500 Zuhörer waren unter dem Moment "Moment of Truth" in die Stadthalle der neuseeländischen Hauptstadt Auckland gekommen, um neben Dotcom selbst den Worten von Enthüllungsjournalist Glenn Greenwald zu lauschen. Doch damit nicht genug wurden auch Wikileaks-Gründer Julian Assange und NSA-Aufdecker Edward Snowden per Videokonferenz hinzugeschalten.

Totalüberwachung

Die Message war dabei recht unmissverständlich: Auch in Neuseeland werde das Internet vollständig überwacht. Greenwald war für seine Aussagen schon vor der Veranstaltung unter Beschuss gekommen, und dies aus höchsten Kreisen. Premierminister Key hatte ihn wörtlich als "Handlanger" von Dotcom sowie als "Loser" bezeichnet. Greenwald reagierte darauf mit dem Hinweis, dass selbst er es nicht gewohnt sei, in einem Land anzukommen, und schon innerhalb von 24 Stunden vom Regierungschef persönlich auf eine solche Weise beschimpft zu werden.

Die daraus ersichtliche Nervosität sei allerdings verständlich, habe die Regierungsspitze in Überwachungsfragen doch die eigene Bevölkerung offen belogen. Er stelle solche Behauptungen nicht leichtfertig auf, versichert Greenwald, im konkreten Fall gebe es aber eindeutige Beweise, die sich nicht so einfach vom Tisch fegen lassen. Dies bestätigte auch einmal mehr Edward Snowden, der in seiner Arbeit als NSA-Analyst nach eigenen Angaben mehrfach über Ergebnisse der neuseeländischen Totalüberwachung gestolpert ist.

Abwarten

Ob das Engagement von Kim Dotcom erfolgreich sein wird, wird sich schon in wenigen Tagen herausstellen. Für den 20. September sind die landesweiten Wahlen in Neuseeland angesetzt, aktuellen Umfragen zufolge könnte die Internet Mana Party dabei drei Sitze erringen. (apo, derStandard.at, 16.9.2014)

  • Glenn Greenwald war direkt angereist...
    foto: brett phibbs / ap

    Glenn Greenwald war direkt angereist...

  • Edward Snowden und Julian Assange wurden über das Internet live zugeschaltet.
    foto: kim.com

    Edward Snowden und Julian Assange wurden über das Internet live zugeschaltet.

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