Nutzfahrzeuge: 300 Weltpremieren in Hannover

16. September 2014, 14:58
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Kommende Woche beginnt die Internationale Automobilausstellung für Nutzfahrzeuge in Hannover. Die Branche hat derzeit keinen Grund zu jammern

Auf der Internationalen Automobilausstellung Nutzfahrzeuge, die am 25. September in Hannover beginnt, bekommt die Nutzfahrzeugbranche Gelegenheit, sich ausführlich über die jüngsten Entwicklungen des Marktes zu informieren und sich ein Bild von den Trends im Transportwesen zu machen. 2064 Aussteller sind heuer auf der Messe vertreten - unter ihnen alle wichtigen Hersteller und Zulieferer - die ihre Neuheiten präsentieren: Ganze 300 Weltpremieren sind angekündigt.

foto: apa/nigel treblin
Lkw-Hersteller haben schon schlechtere Zeiten gesehen: Der deutsche Verband der Automobilindustrie meldet ein Wachstum von drei Prozent auf dem westeuropäischen Markt für schwere Nutzfahrzeuge.


Die Stimmung wird vor Ort vermutlich sehr gut sein - aufgrund aktuell recht positiver Absatzzahlen: Laut dem deutschen Verband der Automobilindustrie (VDA) ist in diesem Jahr der Markt für schwere Nutzfahrzeuge in Westeuropa um drei Prozent gewachsen. Der europäische Branchenverband Acea verzeichnete bei den Neuzulassungen im ersten Halbjahr 2014 einen Anstieg von 9,3 Prozent. Jedoch will man sich in Hannover nicht nur gegenseitig auf die Schulter klopfen. Vor Ort wird auch zu sehen sein, welche Fragen die Branche aktuell umtreiben. VDA-Präsident Matthias Wissmann fasst das Messeprogramm zusammen: "Effizienz, Flexibilität, Vernetzung - das sind die Stichworte, die uns auf der IAA erwarten."

Mit spitzem Bleistift

Effiziente Antriebssysteme, die ökologisch wie ökonomisch zufriedenstellende Ergebnisse liefern, werden deshalb ein bestimmendes Thema sein. Gerade im Bereich der schweren Lkws sei die Kreativität der Hersteller gefragt. Wissmann: "Schwere Nutzfahrzeuge sind nicht mit Pkws vergleichbar, für die es ja bereits EU-weite CO2-Regulierungen gibt. Die Nutzfahrzeugbranche ist wie eine Fußballmannschaft: Es gibt nicht nur Abwehrspieler, sondern auch ein Mittelfeld und Stürmer. Beim schweren Lkw ist die Variantenvielfalt so groß, dass es keinen 'CO2-Einheitswert' geben kann." Ohnehin sei im Bereich der schweren Lkws der Markt selbst ein treibender Faktor bei der Senkung von Emissionen: "Die Transportunternehmer kalkulieren mit spitzem Bleistift und fordern daher immer effizientere Lkws."

Nachfrage um ein Fünftel gestiegen

Effizienz und Flexibilität gehen für Bernhard Mattes, den Vorsitzenden der Ford-Geschäftsführung, gerade im Bereich der leichten Nutzfahrzeuge Hand in Hand, was sich auch beim Absatz zeige. Im Bereich der leichten Nutzfahrzeuge sei in einem Jahrzehnt weltweit die Nachfrage um ein Fünftel gestiegen: "Transporter werden immer öfter auch im Überlandverkehr eingesetzt. Vor allem die enorme Flexibilität, Schnelligkeit und Wirtschaftlichkeit der leichten Nutzfahrzeuge machen hier den Unterschied aus. In den großen Städten und ihren Ballungsräumen permanent 'just in time' zu liefern, erfordert andere Fahrzeuge als früher."

Ein wesentlicher Faktor für diese Entwicklung sei vor allem der stetig wachsende Online-Handel. Die voranschreitende Digitalisierung mache aber auch vor den Fahrzeugen selbst nicht halt. Somit seien Vernetzung und Telematik wichtige Trends, weshalb die Hersteller heute verstärkt unter dem Stichwort "Connected Car" auf "intelligente" Fahrzeuge setzen.

Das große Ganze im Blick

Neben der Präsentation technologischer Innovationen werden die Vertreter der Branche in zahlreichen Diskussionen die Köpfe zusammenstecken, um über die Zukunft des Transportwesens nachzudenken.

Schließlich komme es auch darauf an, bei der Suche nach technischen Lösungen nicht das große Ganze aus den Augen zu verlieren, wie Claes Nilsson, Präsident von Volvo Trucks, betont: "Das Engagement in Sachen Entwicklung nützlicher, innovativer Technologien ist für uns gut investiertes Geld. Wenn wir jedoch in der Lage sein wollen, auf dem Weg zu einer nachhaltigen Verkehrsgesellschaft einen wichtigen Beitrag zu leisten, brauchen wir langfristige Strategien." (Johannes Lau, DER STANDARD, 17.09.2014)

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