"Alle Anderen" von Maren Ade in der ARD: Beziehung, Rotz und Wasser

15. September 2014, 18:10
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Die Szenen zwischen dem Paar eignen sich wunderbar für Verhaltensstudien

"Hey, du bist so peinlich", sagt Chris zu seiner Freundin Gitti. Die wird nämlich von Birgit Minichmayr in rotzig-trotziger Manier gespielt. Maren Ades krisengebeutelte Beziehungsgeschichte "Alle anderen" war am Montag spätnachts in der ARD wieder einmal zu sehen.

Die Szenen zwischen dem Paar eignen sich wunderbar für Verhaltensstudien: Was kann man da nicht an kleinen Spielereien und subtiler Aggression beobachten, artikuliert in handgreiflichen Momenten und durch springende oder sich aufbäumende Körper. Nur betrachtet man in "Alle anderen" eben nicht zwei Löwen in der Savanne, sondern ein Bobo-Pärchen beim Urlaub auf Sardinien.

Minichmayr, in unverwechselbarer Eigenart, kombiniert als Gitti kindlichen Trotz mit Sinnlichkeit, wird zum impulsiven Emotionsbündel. Chris (Lars Eidinger) ist hingegen der zwar gewitzte, aber sanftere Beziehungspart.

Doch man muss ergänzen: So ist nur der erste Eindruck. Denn die Rollen ändern sich ständig, einmal hat die eine Seite die Oberhand, einmal die andere. Nie ist klar, wer nun eigentlich der dominante und wer der schwache, der bedürftige oder der selbstsichere Teil der Beziehung ist. Kategorisiert man Gitti zunächst noch eindeutig als jene, die "die Hos'n anhat", muss man ein paar Minuten später die schöne Laienanalyse wieder über den Haufen werfen.

Beziehungsstatus und Rollenverteilung müssen nicht immer eindeutig sein, wie das Weder-noch dieser Geschichte beweist. Und das filmisch dargeboten zu bekommen ist auch gut - schließlich kann nicht alles im Leben genau benannt werden. Außer man heißt Richard Lugner. Dann wählt man für seine Frau halt einfach einen Tiernamen. (Lina Paulitsch, DER STANDARD, 16.9.2014)

  • Lars Eidinger und Birgit Minichmayr in "Alle Anderen".
    foto: apa/ard

    Lars Eidinger und Birgit Minichmayr in "Alle Anderen".

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