Neue millionenschwere AMS-Projekte

16. September 2014, 07:27
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Mit einem 370 Millionen Euro schweren Förderpaket für ältere Arbeitnehmer entstehen neue Beratungsangebote. Der Bedarf ist enorm

Jedes Monat aufs Neue zeigen die Arbeitsmarktdaten, welche gesellschaftlichen Gruppen in Österreich besonders von der steigenden Arbeitslosigkeit betroffen sind. Die Generation 50 plus gehört eindeutig dazu: 73.197 Personen in diesem Alterssegment waren im August als arbeitslos gemeldet – um 15,8 Prozent mehr als im Jahr davor. In Wien ist jeder fünfte Arbeitslose über 50.

Um älteren Arbeitnehmern den oft schwierigen Wiedereinstieg in den Arbeitsmarkt zu erleichtern, hat die Bundesregierung Anfang des Jahres ein Maßnahmenpaket geschnürt. Bis 2016 sollen 370 Millionen Euro investiert und dadurch jährlich 20.000 Arbeitsplätze geschaffen werden. Mit den heuer zur Verfügung stehenden 100 Millionen konnten bis Ende August rund 11.600 ältere Arbeitssuchende in eine Beschäftigung gebracht werden, davon 3.260 in Wien. Diese Zahlen präsentierten Sozialminister Rudolf Hundstorfer (SPÖ) und Petra Draxl, Landesgeschäftsführerin des Arbeitsmarktservice (AMS) Wien, am Montag bei einer gemeinsamen Pressekonferenz.

Frühe Intervention

Dabei wurden auch konkrete AMS-Projekte vorgestellt, mittels derer der steigenden Arbeitslosigkeit im Alter beigekommen werden soll. Neu geschaffene Betreuungseinrichtungen wie die sogenannte Early Intervention für über 50-Jährige sollen spezieller auf unterschiedliche Bedürfnisse eingehen. In Wien kosten die Beratungseinrichtungen und Qualifizierungsangebote den Angaben nach in Summe knapp 20 Millionen Euro jährlich.

Weitere zehn Millionen fließen in Eingliederungshilfen, eine Unternehmensförderung für Betriebe, die Arbeitslose ab 50 Jahren einstellen. Drei Monate lang werden die gesamten Lohn- und Lohnnebenkosten refundiert. Solche Eingliederungshilfen gab es auch schon bisher, allerdings nicht speziell für ältere Arbeitnehmer reserviert. Da jedoch zwei Drittel für diese Gruppe ausgegeben wurden und der Bedarf groß ist, wurden die Mittel dafür aufgestockt. Dies soll allein im Jahr 2014 rund 1.500 zusätzliche Beschäftigungsverhältnisse ermöglichen.

„Eingliederungsbeihilfen sind als Akutmaßnahme sicher nicht schlecht“, sagt auch Arbeitsmarkt-Experte Helmut Hofer vom Institut für Höhere Studien (IHS). Langfristig wichtiger wäre aber, vorbeugend stärkere Anreize zu setzen. Er denkt dabei vor allem an gesundheitliche Fördermaßnahmen, aber auch Umschulungen. Diese sollten vor allem in Branchen mit hoher Arbeitsbelastung erfolgen, noch bevor die Gefahr von Frühpension oder Invalidität besteht.

Schwerpunkt Unternehmensförderung

Erfüllen die in Wien erprobten Projekte die Erwartungen, sollen sie auf ganz Österreich ausgedehnt werden. Die Umsetzung ist den jeweiligen Bundesländern überlassen, nur die Aufteilung der zusätzlichen Mittel ist vorgegeben. 60 Prozent sollen in die Unternehmensförderung fließen, der Rest in zusätzliche Beratungsangebote und die Beschäftigungsförderung am Zweiten Arbeitsmarkt. Darunter versteht man staatlich geförderte Wiedereinstiegsjobs, zum Beispiel als Sozialarbeiter oder in der Erwachsenenbildung.

Die 30 Millionen, die in Wien heuer in die Förderung älterer Arbeitnehmer fließen, sind aber nicht neu geschaffene Mittel, sondern nur die Gesamtsumme, die für ältere Arbeitnehmer zur Verfügung steht. Im Vorjahr wurden dafür 14,5 Millionen aufgewendet, heuer erfolgte eine Verdoppelung, sagte ein Sprecher des AMS Wien auf Nachfrage von derStandard.at. Bundesweit handle es sich bei den für 2014 zugesagten 100 Millionen aber tatsächlich um frische Mittel.

Strikter Budgetvollzug

Zum Sparbedarf in seinem Ressort meinte Hundstorfer, das Budget werde laufend dahingehend überprüft, ob bei einzelnen Förderangeboten noch eingespart werden könne. Die Leistungen im Bereich der Existenzsicherung würden hingegen nicht angerührt. Insgesamt werde das Budget für die staatlichen Arbeitsmarktleistungen, die auch die AMS-Fördermittel umfasst, für das Jahr 2014 in Höhe von rund zwei Milliarden Euro eingehalten. Bei einem strikten Budgetvollzug seien keine weiteren Einsparungen nötig, so Hundstorfer. (Simon Moser, derStandard.at, 16.9.2014)

  • Die Arbeitslosigkeit bei der Generation 50 plus steigt überdurchschnittlich schnell.
    foto: apa/barbara gindl

    Die Arbeitslosigkeit bei der Generation 50 plus steigt überdurchschnittlich schnell.

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