Snowden-Dokument: NSA interessiert sich für Netz der Telekom Austria

16. September 2014, 09:00
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Unternehmenssprecher: "Keine Hinweise auf Aktivitäten von Geheimdiensten in unseren Netzen"

Die National Security Agency (NSA) interessiert sich auch für das Netz der Telekom Austria (TA). Dies geht aus von der NSA als streng geheim eingestuften Dokumenten hervor, die vom "Spiegel" veröffentlicht wurden.

Eine Premiere, denn das Unternehmen taucht damit erstmals in Unterlagen aus dem Fundus von Whistleblower Edward Snowden auf. Dabei handelt es sich um "frei verfügbare Information aus dem Internet", sagt TA-Unternehmenssprecher Peter Schiefer dem STANDARD. Man habe bisher keine "Hinweise auf Aktivitäten von Geheimdiensten in unseren Netzen festgestellt". Allerdings versteht man das Interesse der NSA, denn "die Telekom Austria ist der größte Internetprovider in Österreich und Österreich ist ein Transitland, auch im Datenverkehr".

"Treasure Map"

Tatsächlich wird das Unternehmen in den Unterlagen nur am Rande erwähnt, und es gibt keine Hinweise, dass der US-Geheimdienst oder sein britisches Gegenstück GCHQ das Netz der Telekom Austria kompromittiert hätten. Anders bei deutschen Anbietern wie der Deutschen Telekom, deren Netze von Geheimdiensten unterwandert wurden.

In von einem NSA-Programm namens "Treasure Map" erstellten Grafiken werden nach Informationen des "Spiegel" die Deutsche Telekom und der Internet-Provider Netcologne namentlich aufgeführt und mit roten Punkten markiert. In einer Bildlegende heißt es dazu erklärend, die rote Markierung bedeute, dass es "innerhalb" dieser Netze "Zugangspunkte" für die technische Überwachung gebe.

"Planung von Computerattacken" und der "Netzwerk-Spionage"

Das Treasure-Map-Programm hat dem Bericht zufolge das Ziel, "das komplette Internet zu kartografieren" und "jedes Gerät, überall, jederzeit" sichtbar zu machen. Mit der Anwendung könnten sogar Endgeräte wie Computer, Smartphones und Tablets visualisiert werden, sofern sie mit dem Internet verbunden seien. Das Programm diene unter anderem der "Planung von Computerattacken" und der "Netzwerk-Spionage", heißt es laut "Spiegel" in einer Präsentation der Anwendung.

Andreas Bierwirth, Chef von T-Mobile-Österreich, sagte am Montag am Rande einer Pressekonferenz, man habe keine Hinweise, dass die NSA auch in den Netzen des Mobilfunkers stecke. Trotzdem unternehme man "alles Mögliche, um Daten zu schützen".

Keine Zusammenarbeit mit der NSA oder dem KGB in Weißrussland

Auch die Telekom Austria gibt an, entsprechende technische Barrieren errichtet zu haben. "Wir analysieren unser Netz ständig auf etwaige Angriffe von Geheimdiensten hin", sagt Unternehmenssprecher Schiefer. Auch betont er, dass man nicht mit Geheimdiensten zusammenarbeite – weder mit der NSA, noch mit dem KGB in Weißrussland, wo man ebenfalls Netze betreibt.

Mitarbeiter der Universität Salzburg im Visier

Dass sich die NSA auch in österreichischen Netzen tummelt, ist seit Juli dieses Jahres bekannt. Damals wurde öffentlich, dass ein Mitarbeiter der Universität Salzburg ins Visier des US-Geheimdienstes geraten ist. Die IP-Adresse eines von ihm betriebenen Servers findet sich im Quellcode des NSA-Überwachungsprogramms "XKeyscore". Sie ist dort als zu überwachendes Objekt genau definiert, weil sich der Salzburger als eine Art Administrator im Anonymisierungsnetzwerk "Tor" engagiert. Alle Nutzer, täglich hunderttausende, die auf den bereitgestellten Server zugreifen, werden von der NSA speziell markiert, ihre Verbindungen gespeichert. Dieser Server befindet sich in Österreich und befindet sich im Netz des Providers Tele2. (Markus Sulzbacher,16.9. 2014)

  • Erstmals tauchte die Telekom Austria in Unterlagen aus dem Fundus von Whistleblower Edward Snowden auf.

    Erstmals tauchte die Telekom Austria in Unterlagen aus dem Fundus von Whistleblower Edward Snowden auf.

  • Das NSA-Programm "Treasure Map"
    foto: nsa

    Das NSA-Programm "Treasure Map"

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