Made in USA: Warum sie so dominieren

15. September 2014, 16:11
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Die US-Amerikaner zelebrierten neben vielen anderen Dingen vor allem Teambasketball. Schön. Nur nicht für den Rest der Welt

Madrid - Kyrie Irving wusste nach dem Durchmarsch wie zu besten Dream-Team-Zeiten nicht so recht wohin mit seinen Emotionen. "Wir sind so stolz. Es ist einfach großartig, dass ich das mit den Jungs geschafft habe, die wie meine Brüder sind", sagte der wertvollste Spieler (MVP) der Basketball-Weltmeisterschaft. Der überragende Spielmacher feierte mit dem Team USA in Madrid ausgelassen den fünften WM-Titel - nach dem langweiligsten Finale seit 20 Jahren.

Wenn die Showtruppe der Harlem Globetrotters gegen die Washington Generals antritt, steht der Sieger vorher fest. Unterhaltsam sind die Spiele dennoch - im Palacio de los Deportes war es genauso. Die NBA-Stars zelebrierten gegen Serbien regelrecht ihren Basketball, der Gegner war beim 129:92 ein besserer Sparringspartner.

Die Überlegenheit ist insofern bemerkenswert, weil die Amerikaner im dritten Anzug ohne die großen Geiger in der Offensive (Kevin Durant, Carmelo Anthony, LeBron, Paul George) neue Wege zur Dominanz finden mussten. Brutaler Druck am Ball, der Ballverluste provozierte und ein unheimliches Austoben am Offensiv-Rebound waren die Garanten für den Erfolg. Das gemütliche Taktieren in einstudierten Spielzügen war der Amerikaners Sache nicht. Bis zum Finale kam kein US-Amerikaner im Schnitt auf mehr als 13 Punkte pro Partie.

Respekt predigen

Unter "Coach K" hat das Team USA seit 2006 kein Spiel verloren und seitdem alle vier großen Titel geholt. "Kräfte einteilen" und "Ergebnisverwaltung", diese Begriffe existieren im Wortschatz von Mike Krzyzewski einfach nicht. Wichtig: Gegenüber keinem Gegner wird despektierlich agiert. Auf dem Feld gibt es aber über 40 Minuten keine Gnade. Das war nicht immer so. Der geneigte Basketball-Fan erinnert sich noch an lustlose Auftritte bei olympischen Spielen und Weltmeisterschaften und das Ende der Dominanz Anfang der Nullerjahre (6. Platz Heim-WM in Indianapolis, Bronzemedaille in Athen 2004 etc.).

Nun haben die Amerikaner den Spieß umgedreht. Der WM-Kader war sehr jung (Schnitt: 24 Jahre), viele Spieler sind Kandidaten für Olympia in Rio de Janeiro 2016. Der Niveauunterschied zwischen dem Basketball-Eldorado USA und dem Rest der Welt ist jedenfalls größer und nicht - wie von vielen erwartet - kleiner geworden.

Ein kleiner Wermutstropfen: "Ein schlechtes Spiel kann alles ruinieren, das ist den Spaniern passiert. Sie haben ein tolles Team", sagte Krzyzewski. "Wir haben versucht, keinen schlechten Tag zu haben. Und wir haben als Team funktioniert. Das ist uns gelungen." (sid/vet, 15.9.2014)

  • Immer am längeren Ast: Die Amerikaner.
    foto: epa/hidalgo

    Immer am längeren Ast: Die Amerikaner.

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