Extremsituation: "Die Wand"

15. September 2014, 17:09
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Dorothee Hartingers Inszeneriung von Marlen Haushofers Roman am Theater am Saumarkt in Feldkirch

1963 veröffentlichte die Schriftstellerin Marlen Haushofer mit Die Wand ihr erfolgreichstes Buch. 2012 hat es Julian Pölsler verfilmt. Im selben Jahr feierte die Bühnenfassung von und mit Dorothee Hartinger auf der Feststiege des Wiener Burgtheaters seine Premiere. Die Inszenierung war nun im Theater am Saumarkt in Feldkirch zu sehen.

Eine Frau um die 40 reist mit einem befreundeten Paar für ein Wochenende auf eine Jagdhütte in den Bergen. Da das Ehepaar von ihrem abendlichen Gasthausbesuch nicht zurückgekehrt ist, macht sich die Ich-Erzählerin am nächsten Morgen auf den Weg ins Tal, um sie zu suchen. Bei ihrem Abstieg jedoch steht sie plötzlich vor einer unsichtbaren und unüberwindbaren Wand, auf deren anderen Seite es kein Leben mehr zu geben scheint. Die Protagonistin findet sich eingeschlossen mit ihren Tieren und der Ungewissheit, was geschehen ist. Trotz der extremen Situation verfällt sie nicht in Panik und stellt sich dem Kampf ums Überleben in der freien Natur.

Dorothee Hartinger bleibt bei ihrer Adaption nahe am Text und in ihrer Darbietung der gelassenen Grundstimmung der Erzählung treu. Dank des reduzierten Bühnenbilds und des gekonnten Einsatzes von Requisiten bleibt dem Zuhörer genügend Raum für eigene Bilder und Interpretationen. Hartinger untermalt ihre Schilderungen mit Liedern, Geräuschen und dem Wechseln von Kleidern und wirkt damit gekonnt dem Risiko entgegen, dass die Inszenierung in eine Lesung des Romans verfällt. (niwe, DER STANDARD, 16.9.2014)

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