Invasion im Schneckentempo: Die Ausbreitung der Mittelmeer-Ackerschnecke

20. September 2014, 18:00
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Die invasive Schneckenart Deroceras invadens ist mittlerweile in weiten Teilen der Welt anzutreffen - Forscher untersuchten ihre Ausbreitung

Görlitz - Vermutlich mit Gemüselieferungen aus Italien kam sie im Jahr 1977 in Westdeutschland an, in den neuen Bundesländern wurde sie erstmals ein Jahr nach der Maueröffnung gesichtet: Die Mittelmeer-Ackerschnecke Deroceras invadens. Wie der Name schon vermuten lässt - das lateinische invadere bedeutet so viel wie "eindringen" - besiedelt die Schnecke gerne neue Lebensräume.

Tatsächlich besiedelt das Weichtier bereits weite Teile Europas, Australiens sowie Nord- und Südamerikas. Die Art ist regional ein bedeutender Agrarschädling, scheint aber in extrem kalten oder heißen Gebieten an ihre Ausbreitungsgrenzen zu stoßen, berichten Wissenschafter des Senckenberg Forschungsinstitutes. In ihrer aktuell im Fachjournal "NeoBiota" erschienenen Studie identifizieren sie zudem potenzielle künftige Einwanderungsländer für die invasive Schneckenart.

1930 ausgewandert

"Mittlerweile begegnet man dieser Nacktschneckenart beinah weltweit", berichtet Heike Reise vom Senckenberg Museum für Naturkunde Görlitz. "Man findet sie meistens in Gärten oder unter herumliegendem Müll, aber auch in Gewächshäusern und in der freien Natur. Eingeschleppt wird sie beispielsweise über den Import von Gemüse, Gartenzubehör oder Fliesen."

Die Forscherin hat gemeinsam mit Kollegen die Verbreitung der etwa drei Zentimeter großen Schnecken untersucht. Wir haben versucht herauszufinden, in welchen Ländern die Schnecke bereits etabliert ist, wann sie dort erstmals auftrat und ob ihre Verbreitung mit bestimmten Klimafaktoren korreliert", sagt Erstautor John Hutchinson. Dazu wurde die bestehende Literatur ausgewertet, Material aus Museen und anderen Forschungsinstituten überprüft sowie eigenhändig Tiere aufgesammelt.

Der erste Einwanderungsnachweis der ursprünglich aus dem Mittelmeerraum stammenden Schnecke liegt aus dem Jahr 1930 in Großbritannien vor. Innerhalb von 10 Jahren besiedelte die Spezies dann Dänemark, Kalifornien, Australien und Neuseeland. "Heute findet man Deroceras invadens in weiten Teilen Europas, Australiens, Nord- und Südamerikas. Auch in Südafrika und auf mehreren Inseln wie den Azoren, Madeira oder den Kanaren fühlen sich die Schnecken wohl", sagt Reise. Die Forscher konnten aber erstmals auch Vorkommen in Mexiko, Costa Rica und Ecuador nachweisen.

Extremes Klima hinderlich

"Um Asien und Osteuropa macht die Spezies bisher einen Bogen", sagt Hutchinson. Die Forscher vermuten, dass kalte Winter bzw. trockenes, heißes Klima die Besiedlung der Schnecken erschwert. Unmöglich macht es sie aber nicht: In Breslau hat eine Schneckenpopulation mehrere Winter mit Temperaturen von minus 22 Grad Celsius überlebt.

In Nordamerika und Ägypten machen sich die Tiere offenbar große landwirtschaftliche Bewässerungsanlagen zunutze. "Diese vom Menschen angelegten Lebensräume bieten den Schnecken neue Wege zur Expansion in sonst für sie unwirtliche Regionen, so Reise.

Die Forscher gehen davon aus, dass Deroceras invadens ihre Verbreitung weiter ausdehnen wird. Ein Vergleich des Verbreitungsmusters mit Klimadaten erlaubt Prognosen über potentielle weitere Vorkommen. "Grundsätzlich kommen für die Tiere alle Gebiete mit einem gemäßigten Klima in Frage", sagt Hutchinson. Frühe Erkennung und schnell eingeleitete Bekämpfungsmaßnahmen könnten eine Etablierung der Schädlinge jedoch verhindern. (red, derStandard.at, 20.9.2014)

  • Deroceras invadens ist mittlerweile in weiten Teilen Europas, Australiens, Nord- und Südamerikas verbreitet.
    foto: hutchinson

    Deroceras invadens ist mittlerweile in weiten Teilen Europas, Australiens, Nord- und Südamerikas verbreitet.

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