Fusionitis am Biermarkt

15. September 2014, 18:06
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Unter den Top drei der Brauer ist ein Übernahmekampf ausgebrochen. Experten stellen sich auf eine neue Fusionswelle in der mit Überkapazitäten kämpfenden Branche ein

Die drei größten Bierbrauereien haben Lust auf mehr. Wer mit wem zusammengeht, ist nun die große Frage. Weltmarktführer Anheuser-Busch InBev (Beck's-Hersteller) bereitet aktuell ein Angebot über 122 Milliarden Dollar (knapp 95 Mrd. Euro) für den Zweitplatzierten SABMiller vor. Der Umworbene, der unter anderem Pilsner Urquell produziert, arbeitet bereits an einer Abwehrstrategie und plant selbst einen Zukauf. Objekt der Begierde ist Heineken, der Branchendritte. Heineken berichtete zuletzt von einem entsprechenden Vorstoß SABMillers und wies diesen zugleich zurück. Das niederländische Unternehmen solle auch in Zukunft unabhängig bleiben, erklärten die Gesellschafter am Sonntagabend.

AB InBev soll bereits mit Banken über die Finanzierung des Deals sprechen, berichtet das Wall Street Journal unter Berufung auf einen Insider. Aktive Gespräche mit SABMiller würden aber noch nicht geführt. Experten halten SABMillers Vorstoß für einen Schachzug, um sich AB InBev vom Hals zu halten.

In der Branche ist das Fusionskarussell in den vergangenen Jahren auf Hochtouren gelaufen. Da viele Unternehmen in Europa und Nordamerika an ihre Expansionsgrenzen stoßen, wollen sie sich vor allem durch Übernahmen vergrößern. Als besonders aggressiv dabei gilt der weltweite Platzhirsch AB InBev. Zum Jahresbeginn kaufte dieser für 5,8 Milliarden Dollar den südkoreanischen Marktführer Oriental und verbesserte damit seine Position in der Wachstumsregion Asien. Dort haben in den vergangenen fünf Jahren unter anderem schon die Rivalen Carlsberg, SABMiller und Heineken zugekauft.

Auch SABMiller hat eine gewaltige Einkaufstour hinter sich, mit der sich das Unternehmen in den vergangenen zehn Jahren von einem kleinen südafrikanischen Anbieter in die internationale Branchenspitze katapultierte. Unter seinem Dach befinden sich mittlerweile neben Pilsner Urquell auch Marken wie Radegast und Grolsch. Zum belgischen Riesen AB InBev gehören neben Beck's unter anderem auch Budweiser und Corona.

Heineken wäre für SABMiller eine geeignete "Giftpille", um selbst einer Übernahme zu entgehen, sagen Analysten von Crédit Suisse. Dann wäre das Unternehmen vermutlich zu groß, um geschluckt zu werden. Zu Heineken zählt in Österreich der Platzhirsch Brau Union (u. a. Gösser, Zipfer, Kaiser, Schwechater), für den sich auch SABMiller einmal interessiert hatte.

Den Anlegern gefällt die Schaumschlacht: An der Börse schossen Brauereiaktien in die Höhe. SABMiller zogen in London bis zu elf Prozent an, Heineken notierten in Amsterdam um drei Prozent fester. AB InBev verteuerten sich um 2,9 Prozent. Carlsberg-Papiere kletterten um 2,3 Prozent nach oben. (red, Reuters)

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Artikel im WSJ

Vertriebene Marken von Anheuser-Busch, SABMiller und Heineken

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