Red Bull Salzburg aus der Spur

15. September 2014, 13:06
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Wolfsberg erster Tabellenführer aus Kärnten - Hinteregger über Kühbauer: "Er ist der gleiche Koffer wie als Spieler"

Als erste Kärntner Mannschaft steht der WAC an der Tabellenspitze der Bundesliga. Der 1:0-Erfolg gegen Doublegewinner Red Bull Salzburg am Sonntagnachmittag war bereits der siebente Sieg im achten Saisonspiel für die Elf von Trainer Dietmar Kühbauer. Die Salzburger hingegen verloren das dritte Pflichtspiel in Folge - erstmals seit November 2011.

Der Club aus der 25.000-Seelen-Gemeinde Wolfsberg krönte damit eine ohnehin erfolgreiche Momentaufnahme mit der erstmaligen Tabellenführung. Dementsprechend groß war die Freude im WAC-Lager. "Die kämpferische Leistung, die taktische Leistung war unglaublich", jubelte Trainer Dietmar Kühbauer.

"Die Stimmung war sensationell"

Tadej Trdina erzielte per Kopf in der 26. Minute vor knapp 20.000 Zuschauern im Wörthersee-Stadion das Goldtor. "Die Stimmung war sensationell", so WAC-Routinier Joachim Standfest. Und Erfolgstrainer Kühbauer ließ sich sogar zu einem kleinen Selbstlob hinreißen: "Nachdem immer gesagt wird, ich bin ein Emotionstrainer, freut mich das umso mehr, dass auch der Didi Kühbauer versteht, wie Taktik funktioniert, und dass es die Mannschaft gut umsetzen kann."

Dabei ging es in einem fußballerisch mittelmäßigem Spitzenspiel durchaus emotional zu. Und Kühbauer stand dabei neben Salzburg-Verteidiger Martin Hinteregger im Mittelpunkt. Beide lieferten sich nach einem Foul des ÖFB-Teamspielers an Manuel Kehre ein verbales Duell.

Der 22-jährige Hinteregger will von Kühbauer beschimpft worden sein und befand nach dem Spiel: "Er ist der gleiche Koffer wie als Spieler." Kühbauers Antwort: "Da ist Emotion drin, ich bin ihm da nicht böse. Natürlich sollte es nicht jede Woche passieren." Persönlich am Platz gegenüber gestanden sind sich die beiden übrigens nie. Als Kühbauer sein letztes Spiel als Fußballprofi absolviert hat, war Hinteregger 15 Jahre jung.

Salzburger Krise

Für die Elf von Trainer Adi Hütter setzte es nach den Pleiten in Malmö (0:3) und gegen Sturm Graz (2:3) die dritte Niederlage in Folge. Seit November 2011 (0:1 Athletic Bilbao, 0:3 Mattersburg, 2:4 Rapid) war dies den Salzburgern nicht mehr passiert. Die Nachwehen des neuerlichen Verpassens des großen Ziels Champions League spürte man auch drei Wochen später. "Irgendwann muss auch das Jammern über das Champions-League-Aus vorbei sein", meinte Hütter. "Wir müssen sofort in die Erfolgsspur zurück."

Am Sonntag blieben die Bullen zudem erstmals in der Bundesliga heuer ohne Torerfolg. "Wenn sich der Gegner hinten rein stellt, ist das extrem schwierig. Uns fehlt derzeit auch ein bisschen das Glück des Tüchtigen", bemerkte Mittelfeldmotor Kevin Kampl, der nach gut einer Stunde eine Möglichkeit auf den Ausgleich ausgelassen hatte. "Wir hatten zwar viel Ballbesitz, aber zu wenig Effizienz", bemängelte auch Trainer Hütter.

Wie schon in den vorhergehenden Spielen fehlte seiner Mannschaft gegen einen tief stehenden und clever verteidigenden Gegner ein Plan B. Und selbst verwertete man die wenigen guten Chancen nicht. "In den ersten Spielen der Saison waren wir nicht in Rückstand, sind immer vorangelegen. Natürlich ist das leichter", analysierte Stefan Ilsanker.

Blickrichtung Celtic

Obwohl das Selbstvertrauen seiner Truppe nun laut Hütter "angenagt" sei, ließ der 44-Jährige vor dem Europa-League-Heimauftakt am Donnerstag gegen Celtic Glasgow gleich eine Kampfansage in Wolfsberg zurück. "Ich möchte dem WAC zur Tabellenführung gratulieren, aber wir werden uns die Tabellenführung sicher wieder zurückholen." Dies will auch Kampl, der den guten Mannschaftsgeist hervorhob. "Wir waren schon öfters in einem Loch. Unser Charakter ist so gut in der Mannschaft. Ich weiß, dass wir wieder in die Spur finden."

Für den neuen Spitzenreiter der Liga gilt es nun nicht abzuheben. "Die Tabellenführung ist schön, man sollte aber nicht vergessen, dass wir der WAC sind und von einem Meistertitel nicht geträumt werden sollte", stellte Kühbauer bereits klar. (APA, 15.9.2014)

  • Hat ein hartes Stück Arbeit vor sich: Adi Hütter.
    foto: apa/eggenberger

    Hat ein hartes Stück Arbeit vor sich: Adi Hütter.

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