Hälfte aller Krebspatienten leidet an Depression

15. September 2014, 12:45
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Psychiater fordern, bessere Diagnostik und Therapie von psychische Begleiterkrankungen

Krebspatienten leiden sehr häufig auch unter Depressionen. Je nach Art der Krebserkrankung sind bis zu 50 Prozent der Kranken betroffen. Das hat nicht nur auf die Lebensqualität insgesamt negative Auswirkungen, sondern auch auf das Krebsleiden. Die Depressionen sollten deshalb laut der österreichischen Psychiater-Fachgesellschaft (ÖGPP) genauso behandelt werden wie die Krebserkrankung selbst.

"Depressionen haben einen negativen Einfluss auf die Therapie und die Prognosevon Krebspatienten. Dabei sind es nicht die negativen Gefühle, Selbstzweifel und Traurigkeit als typische Bestandteile von Depressionen, die einen ungünstigen Einfluss nehmen. Insbesondere aufgrund des Antriebsmangels erfolgt oft eine verspätete Diagnose und Behandlung, wodurch sich die Prognose verschlechtert", erklärte jetzt Georg Psota, Präsident der Österreichischen Gesellschaft für Psychiatrie und Psychotherapie (ÖGPP), in einer Aussendung.

In einen Teufelskreis kommen

Beeinträchtigte kognitive Fähigkeiten, also Schwächen der Gedächtnis-, Aufmerksamkeits- und Denkleistung, würden auch dazu beitragen, dass die Kommunikation mit den behandelnden Ärzten schlechter funktioniere. "Die doppelte Belastung durch beide Erkrankungen, die der Patient erlebt, können in einen Teufelskreis mit einer Verschlechterung beider Krankheiten führen. Eine frühzeitige gemeinsame Behandlung von körperlichen und psychischen Erkrankungen ist daher von großer Bedeutung für den Therapieerfolg und die Lebensqualität der Betroffenen", so der Experte.

Darüber hinaus sollte eine "routinemäßige Untersuchung auf eine mögliche bestehende oder entwickelte Depression immer Bestandteil bei der Versorgung von Krebspatienten sein". Nicht jede Niedergeschlagenheit oder Trauer sei zwangsläufig schon eine Depression. Allerdings: "Bestehen negative Gefühle und depressive Symptome jedoch über einen längeren Zeitraum als zwei Wochen, sollte man dies bei den behandelnden Ärzten unbedingt ansprechen."

Zu den Hauptsymptomen einer Depression zählen eine gedrückte Stimmung, Interessen- und Freudlosigkeit sowie mangelnder Antrieb und erhöhte Ermüdbarkeit. Dazu kommen mindestens zwei (häufig mehrere) Krankheitszeichen wie Schuldgefühle, Suizidgedanken, Appetitlosigkeit und Konzentrations- oder Schlafstörungen. Weil einige dieser Symptome, wie Erschöpfung oder Appetitlosigkeit, auch im Rahmen der Nebenwirkungen einer Krebstherapie auftreten können, sollte die Diagnose einer Depression immer durch einen Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie erfolgen.

Botenstoffe im Hirn gestört

Voraussetzung für die erfolgreiche Behandlung einer Depression sind zunächst die fachgerechte Diagnose und das Erkennen der Ursachen. Depressive Episoden lassen sich mit modernen Behandlungsmethoden oft rasch heilen oder lindern und die Lebensqualität der Betroffenen damit entscheidend verbessern. Die Fachgesellschaft: "Wesentliche Grundlage der Behandlung ist der Einsatz antidepressiver Medikamente, die Durchführung einer Psychotherapie oder die Kombination beider Maßnahmen."

Antidepressiva könnten helfen, das bei einer Depression gestörte Gleichgewicht von Botenstoffen im Gehirn wiederherzustellen. Sie seien ab einer mittelgradigen Depression in der Regel notwendig. Ist die Einnahme von Antidepressiva angebracht, müsse aber auch insbesondere bei Krebspatienten bei der Auswahl der Wirkstoffe auf deren Nebenwirkungen und Wechselwirkungen mit den Medikamenten der Krebstherapie geachtet werden. (APA, derStandard.at, 15.9.2014)

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