Pirker: "Korrekturbedarf bei 'News' größer als bei anderen Titeln"

15. September 2014, 11:06
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Neuausrichtung soll Anfang 2015 erkennbar sein - Bestätigt: Neue Eigentümerstruktur für Networld geplant - "Personell wird Bewegung entstehen"

Wien - Etwas mehr als 100 Tage sind vergangen, seit Horst Pirker seinen Job als Geschäftsführer der Verlagsgruppe News (VGN) angetreten ist. "Die Herausforderung ist erheblich", kommentiert er seine Aufgabe, das Unternehmen wieder auf Vordermann zu bringen. Wie im Rallye-Sport müsse man gleichzeitig "Bremsen und Gas geben", so der Medienmanager, was auch bedeute: "Personell wird Bewegung entstehen."

Spürbare Veränderungen bei einigen Titeln des Verlagshauses soll es Anfang 2015 geben. "Wir haben versucht, das entlang der Logik 'Strategie, Struktur, Personen' zu gestalten", erklärte Pirker im APA-Interview. Strategie und Struktur seien weitestgehend abgeschlossen, "und auch in der Frage, welche Personen das mit Leben erfüllen sollen, sind wir schon deutlich fortgeschritten". Diesbezüglich soll es Ende September zu einer Finalisierung kommen, um "im Oktober mit den Vorbereitungen in der Umsetzung zu beginnen".

Personelle Rochaden

Was das konkret für die personelle Aufstellung bedeute, wollte Pirker nicht ausführen. Nur so viel: "Wir werden einzelne Leute anders einsetzen, als das bisher der Fall war. Es wird hier neue Zuordnungen geben in der Verantwortung." Zudem werde die VGN "auf diesem Weg auch einzelne Mitarbeiter verlieren und neue gewinnen müssen. Das ist zum Teil schon passiert, ohne dass wir das öffentlich machen." Diese "Bewegung" geschehe aber "abseits einer Rasenmähermentalität", wie Pirker betonte. "Wir werden das tun, was notwendig ist."

Mit Sparvorgaben vonseiten des Mehrheitseigentümers Gruner + Jahr müsse er sich jedenfalls nicht herumschlagen. "Da gibt es überhaupt keine Vorgaben. Das ist ein Vertrauensvorschuss, der hier in einer aus meiner Sicht bemerkenswerten und ungewöhnlichen Weise gegeben wird und solcher Vorgaben entbehrt." Mit Gruner + Jahr-Vorstandsvorsitzender Julia Jäkel trifft Pirker in jedem Fall am morgigen Dienstag zusammen, wenn beide bei den Österreichischen Medientagen in Wien am Podium zu Gast sind. Das deutsche Medienhaus hat jüngst mit einem harten Sparkurs im Mitarbeiterbereich für Schlagzeilen gesorgt.

Stärkere Abgrenzung

Positiv für Leser und Werbepartner soll sich in jedem Fall die Umgestaltung bei der VGN darstellen. "Einzelne Titel werden wir sauberer positionieren und deutlicher akzentuieren, auch in ihrer Beziehung zueinander", gab Pirker die Route vor. Das teils erkennbare "Verschwimmen" soll dadurch zurückgefahren werden. Basis für die Neupositionierung war eine "ausführliche und gründlich gemachte Ist-Analyse", die für einzelne Magazine mehr Arbeitsbedarf ergeben hat als für andere. "Besser machen kann man immer alles, aber die Unterschiede sind durchaus bemerkenswert."

Viel Arbeit kommt in punkto "News" auf die Verantwortlichen zu. "Ich verrate kein großes Geheimnis wenn ich sage, dass der Korrekturbedarf bei 'News' größer ist als bei anderen Titeln", sagte Pirker. Details wollte er zwar auch hier keine nennen, hielt aber ein paar "wesentliche Klärungen" fest: "'News' bleibt am Markt, bleibt ein General-Interest-Medium, bleibt weiterhin wöchentlich und bleibt ein Kauftitel. Das kann man vorweg schicken." Der herausfordernden Situation stehe man jedenfalls "nicht ratlos gegenüber", wurden doch "eine Reihe von Anknüpfungspunkten identifiziert", um "News" wieder auf Kurs zu bringen. "Aber das ist kein einfaches Umlegen eines Schalters. Es wird einer beharrlichen Gesamtanstrengung bedürfen, um diese Verbesserungen zu erreichen."

Korrektorat hat keine Priorität

Von einer Prioritätenliste, was die Arbeit an den jeweiligen Magazinen betrifft, könne laut Pirker aber nicht die Rede sein. "Im Moment arbeiten wir simultan, also an allen Marken parallel. Solange sich das aufrechterhalten lässt, wollen wir das auch beibehalten. Wir wollen, obwohl das eine ziemliche Übung ist, gesamthaft einen neuen Marktauftritt finden." Angesprochen auf das noch unter seinem Vorgänger Axel Bogocz eingesparte Korrektorat meinte Pirker, dass das "nicht in Vergessenheit geraten ist, aber auch nicht die Priorität hat, ganz oben auf der Agenda zu stehen."

Ein Umbruch könnte demnächst bei der Online-Plattform "News Networld" anstehen, und zwar auf Eigentümerseite. Wie der STANDARD vor kurzem berichtete, könnte sich die Familie Fellner, die 25 Prozent daran hält, zurückziehen. "Das ist ein Thema, an dem gearbeitet wird, das aber nicht wettbewerbsentscheidend ist, sondern eher ein administratives Thema." Pirker bezeichnete es als "administrativ belastend", wenn zwei "mittlerweile untrennbar miteinander verbundene Themen, wie eine Marke analog und digital anzubieten, unterschiedliche Eigentümerkonstellationen" haben. Daran werde "ohne Zeitdruck und mit der notwendigen Gelassenheit gearbeitet, aber auch beharrlich".

Kein Paid Content-Vorstoß

Bei den Online-Auftritten von "News Networld" sowie der mehr als ein Dutzend Magazine soll "das Markenbezogene im Vordergrund stehen". Teils gebe es erfolgreich positionierte Plattformen, teil müsse daran noch gearbeitet werden. Bezüglich der Monetarisierung von Online-Inhalte werde die VGN "keinen Sonderweg gehen oder sich als Pionier darstellen. Dafür haben wir zu viele andere Hausaufgaben, die noch existenzieller sind", unterstrich Pirker. Dies sei eine Frage, "die größere Medienunternehmen lösen müssen". (APA, 15.9.2014)

Hinweis

Horst Pirker am 16. September bei den Österreichischen Medientagen in Wien, Diskussion "Transformation durch Innovation. Printmedien auf dem Prüfstand" mit u.a. Eva Dichand ("Heute"), Gerhard Riedler (Mediaprint), Julia Jäkel (Gruner + Jahr)

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medien-tage.at

  • Horst Pirker, Geschäftsführer der Verlagsgruppe News.
    foto: apa/neubauer

    Horst Pirker, Geschäftsführer der Verlagsgruppe News.

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