Streetart-Tour durch Philadelphia

24. September 2014, 15:50
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Aus Grau mach Bunt: Das "Mural Arts Program" in Philadelphia feiert 30-jähriges Bestehen. Zahlreiche Veranstaltungen rund um die kreative Wandmalerei sollen Besuchern das gemeinnützige Programm näherbringen

Grau in Grau waren die innerstädtischen Straßen von Philadedelphia. Die Tristesse der 1980er-Jahre zeigte sich in der amerikanischen Metropole durch eine hohe Kriminalität, Drogen und Gewalt. Viele Häuser standen leer. Jeder der die Möglichkeit hatte, zog weg aus der Stadt. Doch dann motivierte ein ungewöhnliches Kreativprojekt die Bürger dazu, selbst die Initiative zu ergreifen.

foto: mural arts program/ steve weinik
Das Mural der niederländischen Künstler Jeroen Koolhaas und Dre Urhan.

3600 Wandgemälde in 30 Jahren

Das "Mural Arts Program" wurde 1984 im Rahmen des "Anti-Grafitti Network" der Stadt gegründet. Das illegale Besprühen von Wänden sollte in eine legale, künstlerische Form der urbanen Gestaltung umgelenkt werden. Grundgedanke war es, Jugendlichen aus schwierigen Verhältnissen eine Möglichkeit zu geben ihren Gedanken und Nöten in der Wandmalerei Ausdruck zu verleihen. Sie sollten darin bestärkt werden, dass die Gestaltung des eigenen Grätzels in ihren Händen liegt und sie dem problematischen Umfeld nicht ausgeliefert sind.Bis heute konnten durch das Projekt rund 3600 Murals realisiert werden.

foto: mural arts program/philly painting crew
Die Künstler bei der Arbeit in der Germantown Avenue.

Gesellschaftskritik in bunt

Ein "Mural" ist ein Gemälde, das unmittelbar auf eine Wand oder eine große permanente Fläche aufgetragen wird. Diese Form der Street-Art beschäftigt sich mit bildlichen Gestaltungsformen, die oftmals gesellschaftskritisch sind. In den Anfängen des "Mural Arts Projects" wurde die Künstlerin Jane Golden zu Hilfe gerufen. Sie nahm Kontakt zu lokalen Künstlern auf und betreute die Jugendlichen des Viertels bei ihren ersten Werken. Heute sind auf den Wänden der Stadt die berühmtesten Namen der Street-Art-Szene vertreten: Shepard Fairey, bekannt durch sein Plakat zum Wahlkampf Barack Obamas mit der Aufschrift "Hope", die niederländischen Künstler Jeroen Koolhaas und Dre Urhan, auch "Haas & Hahn" genannt, sowie die Ikone Keith Haring.

foto: mural arts program/ steve weinik
Das Bild "We the youth" von Keith Haring wurde 1987 vom Künstler selbst gestaltet. Nach einer aufwändigen Restaurierung 2013 strahlt das Werk wieder.

Von der Independence Hall zur Fassadenkunst

Der Tourismus in Philadelphia beschränkte sich ursprünglich auf den historischen Bezirk der Metropole. Die Independence Hall, wo die Unabhängigkeitserklärung verkündet wurde, und die kolonialen Backsteinbauten in der Innenstadt ließen vor allem amerikanische Touristen hierhin pilgern. Heute hat die Stadt viele Attraktion: Schlendert man durch die Straßen, trifft man immer wieder auf die faszinierenden Murals aus den letzten 30 Jahren. Genau wie die traditionellen Touristenziele versorgt die Street-Art ihre Bewunderer mit Informationen zur Umgebung. Viele Bilder erzählen von der turbulenten Geschichte des Viertels, von den Einwanderern aus den verschiedensten Teilen der Welt, dem Kampf um Gleichberechtigung von Homosexuellen oder Persönlichkeiten, die diesem Ort entsprangen.

foto: mural arts program/jack ramsdale
Jane Golden gestaltete das Werk "Peace Wall" im Jahr 1997. Die Künstlerin war von Beginn an treibende Kraft des Projekts.

Tour durch das "Mural Arts Project"

Die Straßen Philadelphias sind durch das "Mural Arts Project" zu einem Freilichtmuseum geworden, das man entweder alleine erkunden kann oder auch in einer geführten Tour. Mit dem Bus oder zu Fuß geht es entlang der wichtigsten Kunstwerke. Zum 30-jährigen Bestehen des Projektes wurde das Programm um zahlreiche Aktivitäten ergänzt. Im Oktober finden zusätzlich Straßenfeste und Konzerte statt. Die Besucher werden zum Mitmachen aufgefordert und so kann man am 5. Oktober, dem "Paint Day", selbst zu Pinsel und Farbe greifen und mit dem "Mural Arts"-Team gemeinsam ein Bild restauriert werden.

foto: mural arts program/adam wallacavage
Die Thementour "Love Letter Train" führt zu den Werken von Steve Powers. Auf 50 Flächen hat der Künstler seine Liebesbotschaften hinterlassen.

Kunst und Urbanität

Das "Mural Arts Project" ist Teil eines Wandels, den Philadelphia in den letzten Jahrzehnten erlebt hat. Statt trister Wohnblöcke reihen sich nun schicke Cafés und Boutiquen aneinander. Künstler und Kreative haben sich in der ehemals maroden Innenstadt niedergelassen und geben ihr eine lässige Urbanität, die zu Beginn des Projekts kaum vorstellbar war. Philadelphia hat mehr Kunst im öffentlichen Raum als jede andere Stadt in den USA und ist allein deshalb einen Besuch wert. (Britta Breuers, derStandard.at, 23.9.2014)

Fünf Künstler gestalteten gemeinsam das Mural, das The Roots huldigt. Die Band wurde in Philadelphia gegründet und machte in ihren Anfängen hier auf der Straße Musik.

Links

Mehr über das Projekt und die angebotenen Touren beim Mural Arts Program.

Informationen für Touristen in Philadelphia bei Visit Philly.

  • Das "Mural Arts Program" bringt internationale Streetart-Künstler und Philadelphias Jugendliche zusammen. Das Ergebnis sind fast 3.600 Wandgemälde in der ganzen Stadt.
    foto: mural arts program/ jon kaufman

    Das "Mural Arts Program" bringt internationale Streetart-Künstler und Philadelphias Jugendliche zusammen. Das Ergebnis sind fast 3.600 Wandgemälde in der ganzen Stadt.

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