Die Herbergssuche der Studenten

17. September 2014, 15:04
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Zu Beginn des Semesters sind viele Studierende verzweifelt auf der Suche nach einer leistbaren Unterkunft - Eine Bestandsaufnahme

Wien – "Ab Ende September/Anfang Oktober wird ein Zimmer in einer 2er-WG im 5. Bezirk frei. Es ist ca. 13 m2 groß, die Gesamtkosten betragen 380 Euro". – "Suchen MitbewohnerIn für unsere WG im 4. Bezirk, 20 m2 in Wien-Wieden - 385 Euro". – "Zimmer in 4er-WG (11 m2) im achten Bezirk für 290 Euro (inkl. Strom, Gas, Internet) zu haben".

So lesen sich aktuelle Angebote auf jobwohnen.at und der Wohnungsbörse der ÖH. Aber auch via Facebook wird nach Unterkünften gesucht. Die Preise für ein WG-Zimmer in Wien bewegen sich zwischen 300 und 450 Euro im Monat. Wer unter 300 Euro fündig wird, wohnt aller Wahrscheinlichkeit nach in einem der äußeren Bezirke oder hat nur sehr wenig Raum zur Verfügung. Das bezieht sich zwar nur auf den privaten Wohnungsmarkt. Doch der soziale Wohnbau ist nicht für alle Studenten erreichbar. Anspruch auf Gemeindewohnungen besteht nur für Wiener und Wienerinnen, die seit zwei Jahren in Wien gemeldet sind. Grundsätzlich müssen aber Studenten dieselben Voraussetzungen erfüllen wie alle anderen, um eine Gemeindewohnung zu erhalten, sagt Elke Hanel-Torsch, Landesgeschäftsführerin der Mietervereinigung Wien. Es gebe jedoch sehr lange Wartelisten, Gemeindewohnungen seien nach wie vor sehr gefragt. "Eineinhalb Jahre sollte man mindestens einplanen", sagt Renate Billeth von der Unternehmung "Stadt Wien - Wiener Wohnen". In manchen Fällen seien es auch drei Jahre.

WG-Zimmer gesucht

Anna H. hat es auf dem privaten Wohnungsmarkt versucht. Die 19-Jährige studiert seit einem Jahr an der Wirtschaftsuniversität Internationale Betriebswirtschaft, nachdem sich ihre Wohngemeinschaft aufgelöst hatte, war sie seit Juli auf der Suche nach einem WG-Zimmer. Einfach gestaltete sich die Suche nicht. Maximal 400 Euro hatte sie für das Zimmer eingeplant, ein Außenbezirk kam nie in Frage. "Ich will zentral wohnen und nicht eine Stunde lang zur Uni pendeln müssen", sagt die Studentin. Am erfolgreichsten sei die Suche über Facebook gewesen.

Nun hat sie endlich etwas gefunden, 420 Euro zahlt sie für ein 20 Quadratmeter großes Zimmer im fünften Gemeindebezirk. "Billigeres findet man in den inneren Bezirken einfach nicht", so die Studentin. 15 Besichtigungen hat sie hinter sich. Das billigste Zimmer, das sie sich angesehen hat, kostete 380 Euro. "Aber weder Haus noch Wohnung waren in einem guten Zustand." Zum Leben braucht die Studentin im Monat rund 250 Euro, also fast halb so viel, wie sie für das Zimmer ausgeben muss. Zehn Euro erhält sie monatlich an Studienbeihilfe.

Wo Studenten leben

Die Mehrheit der Studierenden lebt in eigenen Haushalten (43 Prozent). Danach folgt die WG mit 29 Prozent, 18 Prozent leben bei den Eltern oder Verwandten, und nur zehn Prozent entscheiden sich für ein Wohnheim. Die durchschnittliche Wohnfläche pro Person beträgt rund 33 Quadratmeter. Das geht aus einem Bericht zur finanziellen Lage, der Wohnsituation und Wohnqualität von Studierenden hervor, den die Hochschülerschaft (ÖH) im Oktober 2013 präsentiert hat. Die durchschnittlichen Wohnkosten betragen laut dem Bericht 311 Euro im Monat und machen somit mehr als ein Drittel der Durchschnittseinnahmen von 915 Euro aus.

Studentenheime sind ausgebucht

Für so manchen Erstsemestrigen ist ein Studentenheim die erste Anlaufstelle. Doch die meisten sind schon seit Wochen ausgebucht. Mario Egger, Wiener Regionalleiter der Studentenförderungsstiftung Home4students, musste vergangene Woche mehr als 700 Interessenten und Interessentinnen eine Absage erteilen. "Die Nachfrage ist enorm. Aber die Chance, in einem unserer zehn Studentenheime noch einen Platz zu ergattern, geht gegen null." Er glaubt nicht, dass der Markt schon übersättigt ist. "Unsere Heime sind über das ganze Jahr zu nahezu 100 Prozent ausgelastet", sagt Egger.

Doch allzu billig sind auch die Studentenheime nicht. Unter 300 Euro findet man in Wien selten ein Zimmer – außer man entscheidet sich für ein Doppelzimmer. Entscheidend ist auch hier die Lage.

Im Westen noch teurer

Auch in der Studentenstadt Innsbruck sind die Wohnkosten in den vergangenen Jahren kontinuierlich gestiegen, hier wohnt man im Vergleich zu den anderen Landeshauptstädten am teuersten. Fabian Wiegand vom Referat für Heime und Wohnen der ÖH an der Universität Innsbruck geht davon aus, dass es in Zukunft eher noch teurer wird. Es gebe in Innsbruck nur eine begrenzte Fläche, die Nachfrage nach Immobilien sei sehr hoch. Die ÖH appelliert deshalb an die Politik, Studierende durch Beihilfen noch mehr zu fördern.

Teresa W. erfuhr vor wenigen Tagen, dass sie die Aufnahmeprüfung für das Bachelorstudium Nonprofit-, Sozial- und Gesundheitsmanagement am Management-Center Innsbruck (MCI) geschafft hat. Knapp zwei Wochen standen ihr bevor, um eine passable Bleibe zu finden. Es gelang ihr dann früher als gedacht, ein Zimmer zu finden. Eigentlich wollte sie in ein Studentenheim ziehen, "die waren aber schon alle ausgebucht". Somit musste sie die Wohnungsbörse der ÖH, Facebook und wg-gesucht.de durchforsten. "Ich habe zwischen 40 und 50 Leute angerufen und E-Mails geschrieben." Zehn Rückmeldungen habe sie bekommen. Nun zieht sie in eine nur 30 Quadratmeter große Wohngemeinschaft nahe dem MCI. Satte 420 Euro zahlt sie monatlich für das Zimmer, damit bleiben ihr etwa 200 Euro zum Leben. Studienbeihilfe werde sie auf jeden Fall beantragen und zusätzlich, falls es der Stundenplan erlaubt, einen Job suchen.

Es braucht mehr Angebot

Auch Arno Wimmer, Immobilienmakler bei Re/max, ortet aufgrund der vielen Studenten in Innsbruck eine entsprechende Nachfrage, die sich natürlich auch auf den Mietpreis auswirke. "Auch bei den typischen WG-Wohnungen ist eine entsprechende Nachfrage vorhanden, die auch die Kaufpreise entsprechend beeinflusst." Dazu komme, dass Innsbruck ein dynamisches Bevölkerungswachstum hat. "Die Flächen in Innsbruck sind beschränkt. Es bedarf laufender Anstrengungen, um die Nachfrage entsprechend erfüllen zu können. Die Politik ist daher gefordert, die notwendigen Flächen verfügbar zu machen."

Florian Heiß, Vorsitzender der ÖH an der Universität Innsbruck, fordert die Errichtung eines weiteren Studentenheims: "Wenn es da mehr Angebot gäbe, könnte man den Wohnungsmarkt entlasten." (Elisabeth Kleinlercher, derstandard.at, 17.9.2014)

  • Die Studienanfänger müssen auch heuer wieder zahlreiche Wohnungsannoncen durchforsten.
    foto: dpa/marijan murat

    Die Studienanfänger müssen auch heuer wieder zahlreiche Wohnungsannoncen durchforsten.

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