Merkel verurteilt Angriffe auf Juden in Deutschland

15. September 2014, 09:33
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Demonstration gegen Antisemitismus in Berlin

Berlin - Die deutsche Bundeskanzlerin Angela Merkel hat den Juden in Deutschland nach den antisemitischen Angriffen während des Gaza-Krieges demonstrativ den Rücken gestärkt. "Jüdisches Leben gehört zu uns, es ist Teil unserer Identität und Kultur", sagte Merkel am Sonntag vor Tausenden Teilnehmern einer Kundgebung vor dem Brandenburger Tor in Berlin.

Der Präsident des Zentralrates der Juden, Dieter Graumann, rief die Deutschen zu mehr Courage gegen Antisemitismus auf. Deutschland habe im Sommer "schauderhafte Wellen von Judenhass" erlebt. Die Muslime forderte er auf, entschiedener gegen Islamismus in ihren Reihen vorzugehen.

"Im Namen der ganzen Bundesregierung verurteile ich jede Form von Judenfeindlichkeit in Deutschland und Europa auf das Schärfste", sagte Merkel. Dass heute wieder mehr als 100.000 Juden in Deutschland lebten, grenze an ein Wunder: "Das ist ein Geschenk und das erfüllt mich mit großer Dankbarkeit." Dass heute wieder Menschen in Deutschland angepöbelt und angegriffen würden, wenn sie sich als Juden zu erkennen gäben oder für den Staat Israel Partei ergriffen, sei ein "ungeheurer Skandal".

"Es schmerzt mich, wenn ich höre, dass junge jüdische Eltern fragen, ob sie ihre Kinder in Deutschland großziehen können oder Ältere, ob es richtig war, dass sie hiergeblieben sind", sagte sie. Diskriminierung und Ausgrenzung dürften keinen Platz haben: "Jüdische Freunde, Nachbarn, Kollegen - sie sind in Deutschland zu Hause." Antisemitismus sei als Kritik an Israel dahergekommen, aber Ausdruck des Hasses auf Juden gewesen. Wer die legitime Kritik am politischen Handeln Israels als Deckmantel ausnutze, um seinen Judenhass auszuleben, missbrauche die Grundrechte auf Meinungs- und Versammlungsfreiheit.

Graumann kritisierte auf der vom Zentralrat organisierten Versammlung, in den sozialen Netzwerken werde "kübelweise Hass gegen Juden ausgegossen". "Genug ist genug, das wollen wir uns einfach nicht mehr gefallen lassen", sagte er. Antisemitismus sei häufig gerechtfertigt worden durch den Gaza-Krieg. "Was hat das eine mit dem anderen zu tun, wenn auf deutschen Straßen Juden als Schweine beschimpft werden? Wer wegen Israel zum Antisemiten wird, der war längst einer", sagte Graumann. Die schlimmsten Parolen seien von muslimischen Fanatikern gekommen. "Die muslimischen Verbände im Land müssen viel mehr tun, um den katastrophalen Judenhass in ihren eigenen Reihen zu bekämpfen", sagte Graumann: "Muslime dürfen nicht zulassen, wenn radikale Islamisten ihre Religion missbrauchen, um Hass zu schüren."

Solidarität zeigten auch die höchsten Vertreter der Kirchen in Deutschland. Der Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche, Nikolaus Schneider, sagte, die Angriffe auf Juden seien nicht durch Empörung über den Gaza-Konflikt zu erklären. Für einige sei dies ein Anlass gewesen, ihren Antisemitismus öffentlich auszuleben. Der Vorsitzender der katholischen Bischofskonferenz, Kardinal Reinhard Marx, versicherte den Juden: "Wir sind ihre Freunde, wir stehen zusammen, für immer." Der Präsident des Jüdischen Weltkongresses, Ronald S. Lauder, mahnte, nicht zuzulassen, dass die Neugeburt des jüdischen Lebens in Deutschland durch Fanatiker zerstört werde: "Diese Intoleranz hat keinen Platz in Deutschland", sagte er: "Niemals werden wir Judenhass akzeptieren, weder in Deutschland, noch anderswo." (APA/Reuters, 15.9.2014)

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