Werbung: Öffentliche Stellen gaben fast 53 Millionen Euro aus

15. September 2014, 09:05
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Bundesweit wurde im zweiten Quartal der vierthöchste Wert erreicht seit das Medientransparenzgesetz Offenlegung vorschreibt - Aber sechs Millionen weniger als im zweiten Quartal 2013

Ministerien, Länder, große Gemeinden, Firmen und Institutionen unter öffentlicher Kontrolle buchten von April bis Juni 2014 Werbung für 52,9 Millionen Euro. Das ist der vierthöchste Quartalswert seit Mitte 2012. Seit damals müssen öffentliche Stellen ihre Werbebuchungen vierteljährlich der Medienbehörde KommAustria melden, die sie veröffentlicht.

Den bisher höchsten Wert erreichten die öffentlichen Werbeschaltungen im vierten Quartal 2012 mit 65,2 Millionen Euro. Vor einem Jahr, im zweiten Quartal 2013, investierten sie noch 59 Millionen Euro, sechs mehr als diesmal. Den dritthöchsten Wert bisher verbuchten Ministerien, Länder und öffentliche Firmen im vierten Quartal 2013 mit rund 55 Millionen Euro.

Drei größte Einzelbuchungen: Wien bei "Heute", "Krone", "Österreich"

Die drei größten gemeldeten Einzelbuchungen im zweiten Quartal 2014 stammen vom traditionell größten öffentlichen Bucher Stadt Wien: 1,3 Millionen bei "Heute", 1,03 Millionen bei der "Krone" und 445.000 Euro bei "Österreich".

Wo Wien wirbt

Die Länderwertung: Wien vor Niederösterreich

Wien ist auch diesmal größter Bucher, auch unter den Bundesländern. Ohne Zuordnung von Firmen im Landesbesitz kommt Wien auf knapp 7,2 Millionen Euro im zweiten Quartal vor Niederösterreich mit rund 1,1 Millionen und Oberösterreich mit 946.000 Euro.

Mit zuordenbaren Firmen und Institutionen kommt Wien auf 10,3 Millionen Euro, Niederösterreich auf fast 2,2 Millionen und Oberösterreih auf mehr als 1,6 Millionen.

Die Ministerien-Wertung: Finanzen vor Innen vor Kanzleramt

Das Finanzministerium noch unter Vizekanzler Michael Spindelegger verbuchte im zweiten Quartal 2014 unter allen Regierungsressorts - ohne zuordenbare Institutionen und Firmen - die höchste Summe: knapp 926.000 Euro. Auch Platz zwei in der Ministerienwertung geht mit dem Inneren an ein ÖVP-geführtes Ressort - rund 743.000 Euro.

Das rote Kanzleramt auf Platz drei investierte rund 606.000 Euro in meldepflichtige Werbung, das bürgerlich geführte Außenministerium mit 603.000 Euro liegt nur sehr knapp darunter.

Die meistgebuchten Medien

Knapp acht Millionen Euro öffentlicher Werbegelder gingen im ersten Quartal 2014 - soweit zuordenbar - an den Verlagskonzern Mediaprint, fast 5,7 Millionen Euro davon an den nationalen Reichweitenkaiser "Krone".

Die Styria kommt unter anderem mit den Medien "Kleine Zeitung", "Die Presse", Styria-Magazinen, ihren RMA-Anteilen und "Wirtschaftsblatt" auf 4,8 Millionen Euro und liegt damit vor dem ORF, der Werbeeinschaltungen und Kooperationen von 4,7 Millionen Euro erhielt.

Der Eintrag ÖVP in der Übersicht meint zum größten Teil die Tageszeitung "Neues Volksblatt", die der oberösterreichischen VP zuzurechnen ist.

Die Firmen-Wertung: ÖBB vor Österreich Werbung und Verbund

Die ÖBB (samt zahlreichen Töchtern und zuordenbaren Firmen) war mit 2,53 Millionen Euro im zweiten Quartal 2014 investitionsfreudigste öffentliche Firma. 2,4 Millionen buchte die Österreich Werbung, naturgemäß auch in vielen internationalen Medien. Der Verbund kommt auf 1,4 Millionen im Quartal, die AMA auf gut 1,1 Millionen.

Die Kammer-Daten

Die Wirtschaftskammern warben für rund 4,4 Millionen Euro, die Arbeiterkammern für 1,2 Millionen - deutlich weniger die Rechtsanwälte, Landwirtschaft und Ärzte.

Google und Facebook

Öffentliche Stellen buchten im zweiten Quartal Werbung für 885.000 Euro bei Google und 165.000 bei Facebook.

foto: fidler

Erfindergeist gegen Transparenz

Die Daten enthalten allerdings nur Werbung in Medien, die zumindest viermal jährlich erscheinen. Das erhöhte seit Inkrafttreten des Medientransparenzgesetzes die Beliebheit von Zeitungs- und Magazinbeilagen, die seltener erscheinen, deutlich - bei Medien wie bei öffentlichen Buchern. Das Gesetz belebte den Erfindergeist, um die Meldepflicht zu umgehen. Auch Plakatwerbung ist nicht zu veröffentlichen.

Die Kreativität bei der Meldung der gebuchten Medien ging deutlich zurück, seit die Medienbehörde für ungenaue oder falsche Angaben straft. Allerdings sind auch heute noch Angaben der gebuchten "Medien" nicht immer einfach Verlagen und Medienhäusern zuzuordnen - die Beilagen tragen oft recht allgemeine Namen. (flog, fid, fin, derStandard.at, 15.9.2014)

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