Ausweisung aus Katar: Muslimbrüder auf der Flucht

Kommentar14. September 2014, 18:06
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Der Druck Saudi-Arabiens, Ägyptens und der Vereinigten Arabischen Emirate (VAE) hat Katar doch nicht ganz unbeeindruckt gelassen

Eine Gruppe von hochrangigen ägyptischen Muslimbrüdern, die nach dem Umsturz in Kairo im Juli 2013 in Doha Zuflucht gefunden hatten, kam ihrer Ausweisung durch Ausreise zuvor. Katar musste sich entscheiden, etwas gegen seinen wachsenden Paria-Status zu unternehmen (wobei die katarischen Investitionen weltweit noch immer gerne akzeptiert werden).

Neben dem Vorwurf, die Muslimbrüder bei ihren angeblichen Plänen zur Machtübernahme in der arabischen Welt zu unterstützen, wurde das Emirat ja auch beschuldigt, bei der Finanzierung des "Islamischen Staats" (IS) eine wichtige Rolle zu spielen. Jetzt ist Katar Teil der neuen amerikanischen Anti-IS-Allianz, wobei aber noch offen ist, was die Mitglieder zu leisten haben. Sich das Treiben nationaler islamischer Charitys näher anzusehen würde aber auch Riad nicht schaden.

In Kairo heißt es, die Muslimbrüder hätten Doha in Richtung London verlassen, weil Großbritannien kein Auslieferungsabkommen mit Ägypten hat. Allerdings könnte ihre Lage auch dort bald prekär werden: London hat eine Untersuchung der Muslimbrüder-Aktivitäten laufen, die Ergebnisse könnten Einfluss auf den Status der Organisation haben. Und im übrigen Europa wird man sich zweifellos genau ansehen, zu welchem Schluss die Briten kommen. (Gudrun Harrer, DER STANDARD, 15.9.2014)

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