Ex-General Allen als Koordinator gegen IS: Intellektueller in Uniform mit Irak-Erfahrung

14. September 2014, 18:00
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Ex-US-General John Allen soll den Kampf gegen die IS koordinieren

Der neue Koordinator des Kampfes gegen den "Islamischen Staat" (IS) bringt eine wichtige Voraussetzung mit: Er kennt den Irak. John Allen war Vizekommandeur der US-Truppen in der irakischen Provinz Al-Anbar, als das Pentagon beschloss, mitten im Strudel des drohenden Bürgerkriegs eine neue Strategie auszuprobieren. Um der Rebellion der verbitterten Sunniten die Spitze zu nehmen, begannen die Amerikaner sunnitische Stammesführer im Westen des Zweistromlands auf ihre Seite zu ziehen. Sie lieferten Waffen und zahlten Geld. Der gemeinsame Feind hieß nun Al-Kaida, es ging gegen den irakischen Ableger des Terrornetzwerks, der sich später unter dem Kürzel "Isis" im syrischen Machtvakuum neu gründen sollte.

Seit jener kurzen Erfolgsgeschichte gilt Allen neben David Petraeus, damals Befehlshaber in Bagdad, als Spezialist der Aufstandsbekämpfung. Und genau wie Petraeus steht er im Ruf eines Intellektuellen in Uniform.

Zwischenstopp im Wartesaal

Bevor der 60-Jährige auf seinen neuen Posten berufen wurde, forschte er an der Brookings Institution, einer Denkfabrik in Washington, die Politikern bisweilen als eine Art Wartesaal dient, um die Zeit bis zur Berufung ins Kabinett zu überbrücken. Die Antiterrorkoalition, schrieb er neulich in einem Aufsatz, müsse die Gruppe "Islamischer Staat" auf breiter Front zurückdrängen, sowohl im Irak als auch in Syrien. Berufe sich Bashar al-Assad auf die Souveränität seines Landes, solle man dies ignorieren: "Syrien ist ein gescheiterter Staat, der weder in der Lage ist, als souveräne Einheit zu handeln, noch den Respekt einer solchen verdient."

Allens militärische Laufbahn begann bei der Marineinfanterie, Amerikas schneller Eingreiftruppe. Mitte der Neunziger diente er bei der Ifor, der unter Nato-Kommando stehenden Friedenstruppe in Bosnien. Nach dem Einsatz im Irak übernahm er 2011 für 19 Monate das Kommando der internationalen Truppe in Afghanistan.

Nach Flirt im Ruhestand

Als er Oberbefehlshaber der Nato werden sollte, stolperte der Soldat aus Virginia über eine angeblich amouröse Affäre. Unter tausenden E-Mails, die er einer Gesellschaftsdame namens Jill Kelley schickte, einer verheirateten Frau, die für die Offiziere des riesigen Militärstützpunkts in Tampa die eine oder andere Party organisierte, sollen auch anzügliche gewesen sein. Allen habe mit Kelley geflirtet, hieß es, ein Skandal im prüden Amerika. Eine Untersuchungskommission fand keine Beweise. (Frank Herrmann, DER STANDARD, 15.9.2014)

  • Nach Skandal und Ruhestand ist Exgeneral John Allen zurück in verantwortungsvollem Posten.
    foto: ap/haraz n. ghanbari

    Nach Skandal und Ruhestand ist Exgeneral John Allen zurück in verantwortungsvollem Posten.

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