Tierwitze für Tiere und ein Hello-Monster

14. September 2014, 18:14
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Mit "Konichiwa, Bitches!" zeigte das Wuk eine "zickige" Stichprobe aus der aktuellen Performanceszene

Wien - "Wissen sie, warum ich hier auf der Bühne rauche?", fragte der US-Comedian Dave Chappelle in einer seiner TV-Shows. "Weil ich nicht für den New Yorker Bürgermeister Bloomberg gestimmt habe." Was aber hat Chappelle mit der Saisoneröffnung der Performing-Arts-Abteilung im Kulturzentrum Wuk zu tun, die unter dem Motto Konichiwa, bitches! als Reihe von einigermaßen ungewöhnlichen Live-Acts abging?

Bloomberg, der von 2001 bis 2013 amtierte, war nicht unbedingt beliebt bei New Yorks afroamerikanischer Bevölkerung. Weniger deshalb, weil er das Rauchen an bestimmten Orten in der Stadt verboten hatte, sondern weil in seiner Amtszeit Dunkelhäutigkeit bedeutete, verdächtig zu sein.

"Koni-chi-waaa, bitches!", hatte Chappelle einmal ein japanisches Publikum begrüßt. Bitch ist ein Schimpfwort mit der Bedeutung von Luder oder Zicke, das heute auf beide Geschlechter angewendet wird und im queeren Slang der Popkultur auch ins Positive umgedeutet wird. Von Chappelle leitet sich auch der Song Konichiwa Bitches der Schwedin Robyn her: "Konichiwa bitches from Beijing to Saigon / ... Fight the power / Put myself on the throne."

Unter diesem etwas kompliziert zu kontextualisierenden Motto also verkündeten der Radioperformer und Sänger Gérald Kurdian (aka This is the Hello Monster), die Choreografin Krõõt Juurak, die Formation Super Nase & Co., Otto Krause & Milan Loviska und die Performancekünstlerin Barbis Ruder ihre Form von "Hallo, Zicken!". Kurdians Konzertperformance The Strength of Things war der Haupt-Act des Abends, in dem die Popkultur nach ihren Wunderlichkeiten und Widersprüchen aufgemischt werden sollte.

Diese Soloarbeit mit umgedeuteter Musik und live gemixten Videobildern ließ sich vielversprechend an, wurde aber nach einer Weile zum Opfer eines zickigen Computers, der den exzellenten Performer Kurdian zum Improvisieren zwang. Dafür, und weil es Kurdian immerhin gelungen war zu zeigen, wie schön es hätte sein können, applaudierte das Publikum nach der Premiere kräftig.

Ein Abend mit Absinthbar

Super Nase & Co., eine Formation, die als immer wieder einmal als "God's Entertainments Vorgruppe zur Reduzierung ästhetischer Ansprüche" auftritt und an diesem Abend auch eine Absinthbar betrieb, half der Besucherpsyche unter anderem mithilfe der Frage "This is not Yoko Ono?" auf die Sprünge.

Die Umwertung ästhetischer Stereotypen ist auch eine Eigenschaft von Krõõt Juurak, die zusammen mit dem Performer Alex Bailey ihre Animal Jokes (for Animals) zum Besten gab. Fazit: Was für Tiere irrsinnig lustig sein mag, macht Menschen meistens ratlos. Zweites Fazit: Vielleicht ist der sogenannte Homo sapiens auch deswegen so abgrundtief "bitchy" zu seinen Mitbewohnern auf diesem Planeten.

Barbis Ruder, die vor kurzem den H-13-Performancepreis gewonnen hat, joggte mit einer Gruppe von Besucherinnen und Besuchern durch die Räume des Kulturzentrums. Dabei wurde mit einem Höchstmaß an Absurdität vermessen, welche Werte und Maße eine Immobilie haben kann. Schließlich begab sich noch Krause zusammen mit Loviska in ein "enclosed pleasure": Nackt schwitzten die beiden eng aneinandergedrängt in einem mannshohen Latexkondom. Alles in allem ein ziemlich intelligenter und trotzdem lässiger Abend. (Helmut Ploebst, DER STANDARD, 15.9.2014)

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