Ein echter ÖVPler und zwei starke schwarze Männer

14. September 2014, 17:22
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Bernd Schilcher über die Partei, die wieder mehr seine ist, und darüber, was das mit dem neuen Chef zu tun hat

Wien - Bernd Schilcher wartet seit mehr als einem halben Jahrhundert auf eine systematische Bildungsreform in Österreich. 1962, noch als Jusstudent, habe er seinen ersten bildungspolitischen Aufsatz über eine "Schule, in der alle gleichberechtigt lernen", geschrieben, erzählt er im STANDARD-Gespräch: "Nach über 50 Jahren wäre es langsam Zeit, dass sich was tut." Vielleicht tut sich ja unter dem neuen ÖVP-Chef Reinhold Mitterlehner etwas.

Der hat die Partei, die eigentlich auch Schilchers Partei war und ist, nun übernommen. Und Schilcher, der ehemalige Klubchef der steirischen ÖVP und dortige Landesschulratspräsident sowie später Mitinitiator des Bildungsvolksbegehrens, hat "jetzt viel mehr Hoffnung, auch wenn man warten muss, was wirklich geschieht".

Ein bisschen Hoffnung

Schilchers Hoffnung auf Bewegung richtet sich zuvorderst einmal auf die innerparteiliche Dynamik. Und da findet er es "sehr klasse", auf wessen "Problemanalysen", so Mitterlehners Büro, gehört werden soll: auf die von Andreas Salcher (Der talentierte Schüler und seine Feinde), Markus Hengstschläger (Die Durchschnittsfalle) und dem Pflichtschullehrergewerkschaftsvorsitzenden Paul Kimberger.

Salcher, vormals ÖVP-Politiker in Wien, der 2007 nicht mit Schilcher in die Expertenkommission von Unterrichtsministerin Claudia Schmied (SPÖ) gehen wollte, "weil er sagte: ,Ich bin ein echter ÖVPler'", erzählt Schilcher, vertrete einen "mutigen und kämpferischen Ansatz", Kimberger habe "in letzter Zeit gescheite Sachen gesagt: Ganztagsschule richtig und gut, gemeinsame Schule möglich mit genügend Ressourcen und innerer Differenzierung", Genetiker Hengstschläger sei "ein exzellenter Mann" für die Bildung.

Vor allem erinnert Schilcher Mitterlehner an das Jahr 2007, als dieser noch Wirtschaftskammervizegeneralsekretär war. Damals hat die Wirtschaftskammer in Bad Ischl das Sozialpartnerpapier "Chance Bildung" unterzeichnet, das explizit fordert: "Die Bildungswegentscheidung wird im Anschluss an die Sekundarstufe I fundiert getroffen." Also nicht mit zehn, sondern mit 14: "Ich traue ihm zu, dass er das versteht."

Ein bisschen Schüssel

Schilcher traut dem Neuen an der ÖVP-Spitze noch viel mehr zu. Er hält ihn schon gar nicht für eine Übergangslösung: "Dafür ist er ein zu guter Kenner der Partei, und er hat eher Züge von Wolfgang Schüssel: Er will was. Das treibt ihn um. Er wollte nicht nur an die Spitze und dort bleiben und sonst fällt er um, wie die letzten Parteichefs vor ihm - oder wie Werner Faymann neben ihm", sagt Schilcher. Außerdem habe Mitterlehner "offenbar weniger Angst vor Konfrontationen mit Bünden und Ländern. Das ist eine neue Chance für die ÖVP", und, das sei "hervorragend" an Mitterlehner: "Er fürchtet sich nicht vor einem zweiten starken Mann in der Partei", gemeint ist der neue Finanzminister Hans Jörg Schelling.

Schilcher selbst will weiter "lieber außerhalb" der Partei über Bildung nachdenken und hofft, dass mehr kommt als "Winzigkeiten" wie das Aus für die 50-Minuten-Schulstunde, das Unterrichtsministerin Gabriele Heinisch-Hosek (SPÖ) plant: "Das Trippeln ist kein guter Gang. Aber wenn's da jetzt läuft, bin ich meiner Partei natürlich wieder erheblich näher." (Lisa Nimmervoll, DER STANDARD, 15.9.2014)

  • Bernd Schilcher wurde nicht gefragt, ob er in der "neuen" ÖVP über Bildung nachdenken möchte. Möchte er auch nicht. Er hofft, dass sich auch so endlich etwas bewegt.
    foto: j. j. kucek

    Bernd Schilcher wurde nicht gefragt, ob er in der "neuen" ÖVP über Bildung nachdenken möchte. Möchte er auch nicht. Er hofft, dass sich auch so endlich etwas bewegt.

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