Anleger blicken gebannt nach Schottland

14. September 2014, 09:45
20 Postings

Ein mögliches "Ja" zur Abspaltung Schottlands führt zu reichlich Verunsicherung an den Finanzmärkten

Frankfurt am Main - Das Referendum über eine Loslösung Schottlands von Großbritannien wird in der neuen Woche für reichlich Diskussionsstoff an den Finanzmärkten sorgen. Ein "Ja" zur Unabhängigkeit würde die Anleger wegen zahlreicher unbeantworteter Fragen verunsichern, mit entsprechenden Auswirkungen auf die Wirtschaft, betont Volkswirt Nicolas Doisy vom Vermögensverwalter Amundi.

Ähnlich urteilt Finanzmarkt-Experte Ingo Theismann von der Vermögensverwaltung Consulting Team. "Besonders die Währungsfrage ist brisant, da bis heute völlig offen ist, ob Schottland dann eine eigene Währung einführt, beim britischen Pfund bleibt oder gar der Eurozone beitreten wird." In den jüngsten Umfragen liegen Befürworter und Gegner einer schottischen Unabhängigkeit fast gleichauf. Die Abstimmung ist am Donnerstag.

Britisches Pfund zeitweise auf Zehn-Monats-Tief

Die Spekulationen um die Zukunft Schottlands drückten das britische Pfund in der alten Woche zeitweise auf ein Zehn-Monats-Tief von 1,6050 Dollar. Auch schottische Unternehmen wie Royal Bank of Scotland (RBS) gerieten zeitweise unter Verkaufsdruck. Der DAX gab in einer Woche ein Prozent nach. An der Wall Street sah es nicht besser aus. Die wichtigsten Indizes verzeichneten Kursverluste, nachdem es fünf Wochen in Folge aufwärts gegangen war. Der Standardwerteindex Dow Jones und der breiter gefasste S&P 500 fielen um rund ein Prozent, der Technologieindex Nasdaq-Composite büßte 0,3 Prozent ein.

Ein Belastungsfaktor für die Börsen ist die Dauerkrise in der Ukraine, wo die Waffenruhe zwischen der Regierung und den pro-russischen Separatisten brüchig ist. Russland hat eine Antwort auf die verschärften Sanktionen der EU angekündigt. Sollte Russland mit harten Gegenmaßnahmen reagieren, müsse mit weiteren Kursverlusten gerechnet werden, betont Analyst Michail Kusmin von Investcafe.

Notenbanken im Fokus

Daneben werden die Notenbanken in der neuen Woche wieder in den Fokus rücken. Am Mittwoch gibt die Fed ihre Beschlüsse zur Geldpolitik bekannt. Die Commerzbank-Analysten Bernd Weidensteiner und Christoph Balz rechnen damit, dass die US-Notenbank für das Frühjahr 2015 eine Zinserhöhung signalisieren wird. "Unsere Analyse vergangener Zinszyklen spricht zudem dafür, dass die Fed die Zinsen stärker anheben dürfte als allgemein erwartet", schreiben sie in einem Kommentar.

Am Tag darauf gibt die Europäische Zentralbank (EZB) bekannt, wie stark sich die europäischen Geschäftsbanken sich mit den neuen, zweckgebundenen Billig-Krediten der EZB (TLTROs) eingedeckt haben. "Gut vorstellbar, dass sich einige Banken entscheiden, nicht im September, sondern erst im Dezember die angebotenen TLTRO-Geschäfte zu nutzen, da der Finanzierungsbedarf der Geschäftsbanken zum Jahresende in der Regel höher liegt", sagt AllianzGI-Analystin Ann-Katrin Petersen.

Hexensabbat am Freitag

Bei den Konjunkturdaten blicken Anleger unter anderem auf den ZEW-Index am Dienstag. Das Barometer für die Stimmung der Börsenprofis ist einer Umfrage zufolge auf 5,6 Punkte von 8,6 Zählern zurückgegangen.

Auf Unternehmensseite sind die Termine dünn gesät. Am Donnerstag will Alibaba den Ausgabepreis für seinen geplanten Rekord-Börsengang bekannt geben. Der außerhalb Chinas weitgehend unbekannte Amazon -Konkurrent peilt ein Emissionsvolumen von 21 Milliarden Dollar an.

Zum Abschluss der Woche verfallen Optionen und Futures auf Indizes und einzelne Aktien. In den Tagen vor dem sogenannten Hexensabbat schwanken die Kurse üblicherweise stark, weil Investoren die Preise derjenigen Wertpapiere, auf die sie Derivate halten, in eine für sie günstige Richtung bewegen wollen. (APA/Reuters, 14.9.2014)

  • Die Anleger sind verunsichert, wie werden die Schotten am Donnerstag entscheiden?
    foto: apa/epa/andy rain

    Die Anleger sind verunsichert, wie werden die Schotten am Donnerstag entscheiden?

Share if you care.