Weltweites Entsetzen nach Enthauptung von britischer Geisel durch IS

15. September 2014, 06:15
1027 Postings

Britischer Premier Cameron kündigt "Jagd" auf Verantwortliche an - UN-Sicherheitsrat verurteilt Hinrichtung

London - Die Jihadistengruppe "Islamischer Staat" (IS) hat mit der Veröffentlichung eines dritten Ermordungsvideos erneut für weltweites Entsetzen gesorgt. Politiker weltweit verurteilten die Exekution des britischen Entwicklungshelfers David Haines am Sonntag als "barbarische" und "abscheuliche" Tat. Großbritanniens Premier David Cameron kündigte im Kampf gegen die IS-Miliz eine harte Linie an.

Keine Aussage zu Luftschlägen

Die Tat sei ein "Akt des Bösen". "Wir werden jeden notwendigen Schritt unternehmen und die Verantwortlichen jagen und zur Verantwortung ziehen, egal, wie lange es dauert", sagte Cameron in London nach der Sitzung seines Sicherheitskabinetts, die kurz nach der Veröffentlichung des Videos einberufen wurde. Er machte jedoch keine Aussage darüber, ob sich Großbritannien an Luftschlägen der USA gegen die IS-Miliz beteiligen wird.

US-Präsident Barack Obama zeigte sich entschlossener denn je, die IS-Miliz zu "zerstören". "Wir werden mit Großbritannien und einer breitgefächerten Koalition von Nationen aus der Region und rund um die Welt zusammenarbeiten, um die Verantwortlichen für diese empörende Tat zur Rechenschaft zu ziehen und diese Bedrohung für die Bevölkerung unserer Länder, der Region und der Welt zu schwächen und zu vernichten", erklärte Obama nach Angaben des Weißen Hauses vom Samstagabend (Ortszeit).

Bereits am Vormittag hatte die Regierung in London die Echtheit der Botschaft der IS bestätigt. "Alle Zeichen deuten darauf hin, dass es authentisch ist", teilte das Ministerium mit. Das IS-Video war am Samstagabend auf der Website des US-Unternehmens SITE abzurufen, das sich auf die Überwachung islamistischer Internetseiten spezialisiert hat. Die Aufnahmen zeigen den Briten David Haines, der von einem Vermummten hingerichtet wird.

"In Trauer und Entschlossenheit"

US-Präsident Barack Obama bekräftigte indes seine Entschlossenheit, zusammen mit Partnern rund um die Welt die Jihadisten-Organisation zu zerstören. Die USA stünden "in Trauer und Entschlossenheit" Seite an Seite mit ihrem engen Freund und Verbündeten Großbritannien. Die Verantwortlichen für diese "empörende" Tat müssten zur Rechenschaft gezogen werden.

Die Tat zeige einmal mehr, dass die internationale Gemeinschaft gegen diese "feige und niederträchtige Organisation" vorgehen müsse, hob auch die französische Präsidentschaft hervor. Deutschlands Kanzlerin Angela Merkel bezeichnete die Tötung als "menschenverachtende Tat von Terroristen", Außenminister Frank-Walter Steinmeier sprach von einem "weiteren inakzeptablen Tabubruch".

Warnung an britischen Premier

Die Hilfsorganisation ACTED mit Sitz in Paris, für die Haines zuletzt tätig war, zeigte sich über den Tod ihres Mitarbeiters schockiert. "Wir sind absolut entsetzt und entrüstet über die Ermordung von David Haines", heißt es in einer Mitteilung. ACTED verurteile solche Verbrechen mit der größtmöglichen Schärfe.

Cameron war in dem zweieinhalbminütigen Video mit dem Titel "Eine Botschaft an die Alliierten der USA" direkt angesprochen worden. Der in einen orangefarbenen Overall gekleidete Haines sagt darin seinen Namen und erklärt gefasst, er zahle den Preis für Camerons Politik. Der vermummte Mörder von Haines warnt zudem die Briten, sie würden in "einen weiteren blutigen und nicht zu gewinnenden Krieg" gezogen. Am Ende der Aufnahme droht er mit der Ermordung einer weiteren britischen IS-Geisel. Dabei soll es sich um einen weiteren Entwicklungshelfer namens Alan Henning handeln.

Haines ist drittes Opfer

Haines ist das dritte westliche Opfer der Extremisten, das vor laufender Kamera enthauptet wurde. Am 19. August hatte der IS ein Video ins Internet gestellt, das die Ermordung des US-Journalisten James Foley zeigte. Am 2. September folgte ein Video mit der Ermordung des vor einem Jahr in Nordsyrien verschleppten US-Reporters Steven Sotloff.

Der Kampf gegen IS fordert Europa indes immer mehr heraus. Frankreichs Innenministers Bernard Cazeneuve gab in einem Interview der Sonntagszeitung "Le Journal du Dimanche" bekannt, dass bisher 930 Franzosen in den Krieg in Syrien und den Irak gezogen seien. Seit im Frühjahr die französischen Behörden Meldestellen für potenzielle Jihadisten eingerichtet haben, konnten "mindestens 70 Personen" an der Reise in die Kampfgebiete gehindert werden. Aus Österreich zogen laut Verfassungsschutz bisher rund 140 Personen in den Jihad.

Maskierter mit britischem Akzent

Nach einem Bericht der BBC handelt es sich bei dem auf den Videobildern zu sehenden maskierten Täter möglicherweise um denselben Mann, der bereits in den Videos mit der Enthauptung zweier US-Geiseln aufgetaucht war. Der Mann hat einen hörbaren britischen Akzent.

Wenige Tage vor der Ermordung hatte die Familie von Haines über das britische Außenministerium eine kurze Botschaft an die Entführer des 44-Jährigen gerichtet und die Jihadisten aufgefordert, sie zu kontaktieren.

Der Brite Haines war 2013 in der Nähe eines Flüchtlingslagers im syrischen Atmeh entführt worden. Der zweifache Vater hatte die Auslieferung von Hilfsgütern für Menschen in dem Lager koordinieren sollen.

Haines war am Ende des Videos erwähnt worden, das die Enthauptung des US-Journalisten Steven Sotloff zeigte. Die radikalen Islamisten hatten damals bereits mit seiner baldigen Ermordung gedroht. Der 44-Jährige hatte als Sicherheitsmanager für eine humanitäre Einrichtung mit Sitz in Paris gearbeitet. Die Miliz hat außer den beiden US-Journalisten Sotloff und James Foley auch zwei libanesische Soldaten enthauptet, die sie gefangen genommen hatte.

UN-Sicherheitsrat verurteilt Hinrichtung

Der UN-Sicherheitsrat hat die Hinrichtung des britischen Entwicklungshelfers David Haines durch die Jihadistenmiliz "Islamischer Staat" als "abscheulichen und feigen Mord" verurteilt. Das Verbrechen zeige "auf tragische Weise die erhöhte Gefahr", der sich Entwicklungshelfer in Syrien jeden Tag aussetzten, hieß es in einer am Sonntag einstimmig verabschiedeten Erklärung.

Die 15 Mitglieder des Sicherheitsrats riefen zugleich zu mehr Respekt gegenüber Entwicklungshelfern in Krisengebieten auf und betonten erneut, dass der IS bekämpft werden müsse.

Haines Bruder Mike veröffentlichte am Sonntag ein Video, in dem er erklärte, der Islam dürfe nicht für die Taten des IS verantwortlich gemacht werden. Die Gruppe stelle eine "Gefahr für jede Nation, jede Religion, die Politik und für jeden Menschen" dar.

Internationale Konferenz in Paris

Mit der Lage im Irak nach dem Vormarsch der IS befasst sich an diesem Montag (9.30 Uhr) eine internationale Konferenz in Paris. Auf Einladung von Frankreichs Präsident François Hollande und seines irakischen Amtskollegen Fouad Masoum kommen Minister und Vertreter aus rund 20 Ländern in die französische Hauptstadt.

Über die genaue Zusammensetzung der Runde und den Ablauf der Tagung gab es in Paris keine Angaben. So waren Frankreich und die USA angeblich uneins, ob ein Vertreter des Irans in der Runde dabei sein sollte. Für die USA hatte sich Außenminister John Kerry zuletzt "äußerst bestärkt" gezeigt durch die Zusagen anderer Länder, die USA im Krieg gegen die IS-Terrormiliz militärisch zu unterstützen. Nach Angaben von US-Beamten sind mehrere arabische Staaten bereit, Luftangriffe gegen die Extremisten im Irak zu fliegen, berichteten US-Medien. (APA, 15./14.9.2014)

  • David Cameron erklärte, die Ermordung des britischen Entwicklungshelfers sei ein "Akt des absolut Bösen".
    foto: ap/matt dunham

    David Cameron erklärte, die Ermordung des britischen Entwicklungshelfers sei ein "Akt des absolut Bösen".



Share if you care.