Grüne fordern Halbierung des Energieverbrauchs

Bericht13. September 2014, 13:23
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Österreich könnte es schaffen, bis 2050 energieautonom zu werden, meinen Grüne Landespolitiker

Bregenz – Österreich kann 2050 energieautonom sein, sagt der oberösterreichische Landesrat Rudi Anschober. Voraussetzung wären jedoch klare mittel- und langfristige Ziele und deren konsequente Umsetzung. Um den Klimawandel entschieden zu bekämpfen, müssten die CO2-Emissionen in den nächsten 35 Jahren um 90 Prozent reduziert werden - was Halbierung des Energieverbrauchs bedeute. Mehrere Bundesländer arbeiten an diesen Zielen, die Grünen fordern nun eine bundesweite Gesamtstrategie.

Energieautonomie müsse Ziel der Bundesregierung werden, sagt Adi Gross, früherer Energiebeauftragter der Vorarlberger Landesregierung, nun Grünen-Kandidat für die Landtagswahl. Der Energieexperte verweist auf die Abhängigkeit Österreichs von Energieimporten (63,7 Prozent) und deren hohe Kosten. 12,8 Milliarden Euro habe Österreich 2012 für Energieimporte ausgegeben. Mittel, die man volkswirtschaftlich besser einsetzen könne, sagt Gross. Etwa in Technologien zur Nutzung erneuerbarer Energieträger. In Deutschland wurden in diesem Bereich bereits 300.000 Jobs geschaffen. Österreich stehe aber auf der Bremse, kritisiert Gross.

Österreich energieautonom

Vereint wollen die Grünen nun Druck auf die Bundesregierung für ein energiepolitisches Aktionsprogramm machen. Anschober skizziert die Eckpunkte: Alle drei Jahre sollte in Zusammenarbeit mit den Ländern zehn Prozent der Kosten für Energieimporte eingespart werden. Energiefressende Wohnungen sollten thermisch saniert werden. Die aktuelle Sanierungsrate von ein Prozent soll verdreifacht werden. Das Radwegenetz soll weiter ausgebaut, Öffis auch auf dem Land öfter fahren. Jede Gemeinde sollte im Stundentakt erreichbar sein. Außerdem auf dem Wunschzettel der Grünen: Neufassung des Ökostromgesetzes und eine ökologische Steuerreform.

Im Vorarlberger Landtag wurde das Ziel Energieautonomie bis 2050 bereits einstimmig beschlossen. Die Umsetzung sei aber ins Stocken geraten, kritisiert Spitzenkandidat Johannes Rauch. Die Grünen würden nun gerne in der Landesregierung Tempo machen. Für eine Regierungsbeteiligung würde er wesentliche verkehrspolitische Ziele nicht aufgeben, sagt Rauch. Straßengroßprojekte, wie der geplante Tunnel in Feldkirch um 300 Millionen Euro, seien mit den Grünen nicht machbar.

Felipe windet sich

In Tirol, wo die Grünen seit einem Jahr in der Landesregierung sind, wird der stellvertretenden Landeshauptfrau Ingrid Felipe von Naturschutzorganisationen wie Global 2000, WWF und Greenpeace vorgeworfen, ihre Naturschutzideale aufgegeben zu haben. Sie forderten von ihr eine Negativstellungnahme zu geplanten Wasserkraftwerken, besonders zum Kaunertal - oder andernfalls ihren Rücktritt (derStandard.at berichtete).

Felipe war auch in Bregenz zu keiner klaren Aussage bereit. In ihrer neuen Rolle als Naturschutzlandesrätin könne sie besser als je zuvor an den Zielen der Ökobewegung mitarbeiteten, sagt sie. Wasserkraft sie ein Teil der Energiewende, sie stelle aber bei jedem Projekt akribisch die Standortfrage. Kritiker vertröstet sie auf künftige Verfahren: „Als Naturschutzlandesrätin habe ich die Möglichkeit über Transparenz, Genauigkeit und Objektivität von Umweltverträglichkeitsprüfungen zu wachen.“ (Jutta Berger, derStandard.at, 13.9.2014)

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