Sieganwärter crashen zum Formel-E-Auftakt

13. September 2014, 13:26
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Überschlag von Nick Heidfeld bei Premiere der Elektro-Rennserie in Peking - Drittplatzierter zurückversetzt

Peking -Mit einem spektakulären Crash zwischen den beiden führenden Nicolas Prost und Nick Heidfeld wenige Meter vor dem Ziel und einem Erfolg des Brasilianers Lucas di Grassi ("Ich freue mich über den Sieg, aber nicht darüber, wie er zustande gekommen ist") in einem Auto des deutschen Abt-Teams endete der Auftakt der Formel E in Peking.

"Nur damit es alle wissen: Es geht mir gut - körperlich", twitterte Heidfeld, der für das Venturi-Team des Schauspielers Leonardo DiCaprio fährt: "Ich hätte es gewonnen/gewinnen können/gewinnen müssen. Stattdessen nichts - so ist Racing." Auf dem Weg zurück in die Box machte der Deutsche seinen Ärger gegenüber Prost, seinem Teamkollegen in der Langstrecken-WM, jedoch deutlich Luft.

"Ich ärgere mich einfach nur. Ich hatte extra für die Schlussoffensive reichlich Energie gespart", sagte Heidfeld in Auto Bild Motorsport: "In meinen Augen war ich an ihm vorbei, denn ich war auf mehr als halber Höhe und er konnte nicht einlenken, weil ich eben da war. Es war meine Kurve."

Führender schlägt die Tür zu

Bei dem Versuch, den vom Start weg führenden Prost (E.dams Renault), den Sohn des vierfachen Formel-1-Weltmeisters Alain Prost, vor der letzten Kurve noch zu überholen, wurde Heidfeld von dem Franzosen nach links abgedrängt. Das Auto des Deutschen geriet auf den Randstein, hob ab, überschlug sich und landete mit den Rädern nach oben auf der Strecke. Heidfeld konnte sich selbst aus dem Wrack befreien. Auch Prost musste sein Auto abstellen, am Ende wurden die beiden auf den Plätzen zwölf (Prost) und 13 (Heidfeld) gewertet.

Platz zwei belegte der Franzose Montagny aus dem Team Andretti. Teamchef-Sohn Daniel Abt war als Dritter ins Ziel gefahren, anschließend aber von der Rennleitung auf Platz zehn zurückgestuft worden, weil er zuviel Energie verbraucht hatte. Seinen dritten Platz übernahm der Brite Sam Bird vom Team Virgin Racing.

Heidfeld, zu Beginn seiner Formel-1-Karriere im Jahr 2000 für das damalige Team von Alain Prost unterwegs, war in Peking von Platz sechs gestartet und hatte sich nach dem planmäßigen Autowechsel in der 14. von 25 Runden auf den zweiten Platz vorgeschoben. Lange sah es nicht so aus, als könne er Pole-Mann Prost bei vier Sekunden Rückstand noch gefährden, doch in den letzten vier Runden kam Heidfeld dem Franzosen immer näher.

Eigenwillige Prost-Position

Kurz vor der letzten Kurve wollte sich Heidfeld dann links an Prost vorbeidrängen, doch der machte im letzten Moment die Tür zu und schickte den Deutschen auf die Abschussrampe. Doch der Franzose betrachtete sich keineswegs als Schuldigen. "Man hat mir einen Sieg und einen schönen Tag gestohlen. Das ist wirklich hart", meinte der 33-Jährige. "Natürlich will jeder gewinnen, aber es war die letzte Kurve, da braucht man es nicht zu übertreiben." Er habe überhaupt nicht mehr mit so einem "selbstmörderischen Einbremsen" gerechnet.

In der neu ins Leben gerufenen Formel E fahren alle Teams das gleiche Fahrzeug, einen Spark-Renault SRT_01. McLaren liefert Motor und Getriebe, das Chassis stammt von Dallara, die Batterien sind von Williams. Die Autos leisten bis zu 270 PS und sind bis zu 230 km/schnell. Jeder Fahrer setzt im Rennen, das in Peking bei einer Safety-Car-Phase knapp 60 Minuten dauerte, zwei Fahrzeuge ein.

Der nächste Lauf der zehn Rennen umfassenden Formel E findet am 22. November in Malaysia statt. (sid/red - 13.9. 2014)

  • filip rauh

    Nicolas Prost schickt den angreifenden Nick Heidfeld von der Strecke, Vater Alain sieht's mit Grausen.

  • Streckenposten als interessierte Beobachter des Heidfeld-Saltos.
    foto: ap/wong

    Streckenposten als interessierte Beobachter des Heidfeld-Saltos.

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