Wort der Woche: Engpass

13. September 2014, 17:00
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Wenn das Gas knapp wird und der Engpass droht. Nicht nur Dummheit und Stolz wachsen auf einem Holz, auch Enge und Angst tun das.

Noch versichert uns der OMV-Sprecher, der Rückgang bei den russischen Gaslieferungen bewege sich im Rahmen der jahreszeitlichen Schwankungsbreite. Das muss aber nicht so bleiben. Was, wenn sich die Beziehungen zu Russland abermals verschlechtern und Putin Österreich den sprichwörtlichen "Gashahn" zudreht? Dann droht uns ein Engpass, und ein Engpass macht Angst.

Das Freie, Fließende, Strömende beruhigt, das Enge, Beklemmende schüchtert ein. Jetzt wird es eng: Das heißt nichts Gutes. Ressourcen schwinden, Mittel werden knapp, Gefahren tauchen auf. Nicht nur Dummheit und Stolz wachsen auf einem Holz, auch Enge und Angst tun das. Beide gehen auf eine gemeinsame indogermanische Wurzel zurück, welche, so Kluges Etymologisches Wörterbuch, "zusammenschnüren, bedrängen, erdrosseln" bedeutet.

Wenn wir schon beim Gas sind: Das Wort ist sächlichen Geschlechts, in Wien ist es auch weiblich. "Wem die Gas abdrahn" meint "jemandes Tätigkeit unterbinden" (Wolfgang Teuschl, Wiener Dialektlexikon). Stellt einem ein Wiener in Aussicht, er werde einem "die Gas" abdrehen, ist dies durchaus als Drohung zu werten. Peter Wehle schreibt in Sprechen Sie Wienerisch?: "Sicher ist die Gas nicht deutscher als das Gas, aber bei einem Wort, das sich ein Herr van Helmont (Arzt und Chemiker, 1580- 1644 Anm.) in Brüssel erfunden hat, kann man ohne weiteres einen genehmen Artikel dazu erfinden, und da in Wien zuerst die Gasbeleuchtung aktuell wurde, blieb man bei die." (win, DER STANDARD, 13.9.2014)

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