Kurz würdigt Klitschko als Brückenbauer

12. September 2014, 22:45
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Bürgermeister von Kiew erhält deutschen Medienpreis für Engagement während der ukrainischen Revolution

"Er hat uns stark beeindruckt. Er hat uns allen gezeigt, dass Frieden und Freiheit keine Selbstverständlichkeit sind. Und er hat Entschlossenheit im Kampf gegen Korruption und für Rechtsstaatlichkeit bewiesen." Mit diesen Worten ehrte Außenminister Sebastian Kurz (VP) am Freitagabend in Brandenburgs Hauptstadt Potsdam Vitali Klitschko. Der frühere Profiboxer und jetzige Bürgermeister von Kiew wurde für sein Engagement für eine politische Wende in seiner Heimat ausgezeichnet. Der M100 Media Award wird seit zehn Jahren von führenden Medienmachern verliehen. 2014 sollte ein Mann geehrt werden, der sich für europäische Verständigung und freie Meinungsäußerung einsetzt.

Kurz betonte in seiner Laudatio, dass sich immer weniger Leute für Politik interessierten und von ihrem Wahlrecht Gebrauch machten. Dennoch gebe es Momente "in denen alles anders ist und die Welt inne hält". Ein solcher Moment "war die Maidan-Bewegung". Kurz: "Wir haben alle mitgefiebert und waren beeindruckt von der Stärke, die eine entschlossene Zivilgesellschaft entwicklen kann." Gerade in solchen Momenten brauche es "Persönlichkeiten, die entschlossen für ihre Werte eintreten und ihre Ideale verfolgen, aber besonnen agieren". Kurz erinnerte daran, dass Klitschko am Maidan "krank und bei Minusgraden" Demonstranten und Polizei "mit seinen starken Händen" auseinandergehalten habe.

"Das große Ganze"

Er lobte auch, dass Klitschko später "das große Ganze" im Blick gehabt habe und bei der Präsidentenwahl dann Petro Poroschenko den Vortritt gelassen habe. Der Minister betonte, es habe niemand damit rechnen können, dass "die Russen die völkerrechtswidrige Annexion der Krim druchführen". Gerade für "meine Generation, die den Kalten Krieg nur aus den Geschichtsbüchern kennt und mit offenen Grenzen aufgewachsen ist", sei das ein "unvorstellbares Szenario". "Es muss klar sein, dass die Ukraine nicht zerfallen darf. Die EU darf sich nicht spalten lassen", erklärte Kurz.

Es brauche jetzt Politiker wie Klitschko, die entschlossen für "Freiheit, Frieden und Demokratie einstehen und Brückenbauer sein wollen". An Klitschko persönlich gewandt, erklärte er: "Wir hoffen, dass du stets versuchen wirst, Brücken zu bauen und Kampf besonnen fortsetzen wirst." Klitschko betonte, Europas Zukunft entscheide sich in der Ukraine: "Wir wollen Frieden und Freiheit. Wir bedanken uns für die Unterstützung unserer Freunde im Westen. Aber wir denken, dass die Unterstützung noch nicht reicht. Wir können den Kampf für Freiheit nicht alleine gehen, sondern nur erfolgreich sein, wenn Europas Politiker noch deutlicher klarmachen, dass sie das aggressive Verhalten Russlands nicht akzeptieren. Wir gehören zur europäischen Familie."

Bei der Preisverleihung war auch der dänische Karikaturist Kurt Westergaard anwesend. Seine umstrittenen Mohammed-Karikaturen im Jahr 2005 hatten zu gewalttätigen Protesten in islamischen Ländern geführt. 2010 war Westergaard mit dem M100 Media Award ausgezeichnet worden. (Birgit Baumann aus Potsdam/derStandard.at, 12.9.2014)

  • Sebastian Kurz mit Vitali Klitschko.
    foto: apa/dpa/kalaene

    Sebastian Kurz mit Vitali Klitschko.

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