Gotteskriegerinnen

Einserkastl12. September 2014, 18:20
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Was junge Mädchen aus Europa in das Gemetzel in Syrien und dem Irak treibt

Wenn unbalancierte junge Männer mit schlechter Lebensperspektive in den "Heiligen Krieg" ziehen, dann gibt es noch irgendeinen Funken einer Erklärung. Fehlgeleitete Sinnsuche, eine Möglichkeit, die privaten Aggressionen im Dienste einer Heilsideologie auszuleben, vielleicht auch der Wunsch, dem traurigen Bild, das die allermeisten islamischen Staaten bieten, einen Akt des trotzigen Aufbegehrens - "die scheinbar so überlegene westliche Welt muss uns dennoch fürchten" - entgegenzusetzen.

Aber was in aller Welt treibt 15- bis 16-jährige Mädchen aus Europa dazu, in das Gemetzel in Syrien und dem Irak zu ziehen? Aus einem unter Umständen rigiden, ja erstickenden Elternhaus, einer vielleicht ungeliebten Schule schnurstracks in das Schicksal einer Jihadistenbraut? Aus einer Bevormundung in die nächste, viel ärgere?

Die österreichischen Mädchen, die es dorthinunter geschafft haben, sind angeblich schon mit Gotteskriegern verheiratet oder "verheiratet". Wie geht's ihnen? Dürfen sie jetzt vollverschleiert und demütig einen Schritt hinter dem Gebieter hergehen, die Kalaschnikow putzen und sich an den Gedanken gewöhnen, dass sie einem Mann, den sie sich mit einiger Sicherheit nicht ausgesucht haben, vollkommen ausgeliefert sind? Ganz abgesehen von Tod und Verwüstung und Verstümmelung ringsum? Dafür haben sie alles aufgegeben? (Hans Rauscher, DER STANDARD, 12.9.2014)

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