Elektro-Serie startet, auch wenn Vettel es Käse findet

Ansichtssache12. September 2014, 17:59
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Peking/Wien - Sebastian Vettel ist zwar viermaliger und gerade noch regierender Weltmeister der Formel 1, das Maß aller Dinge ist der Deutsche aber nicht. Weshalb sein Urteil - "Ich finde es Käse. Ich könnte mich als Zuschauer dafür null begeistern" - noch nichts über den möglichen Erfolg der Formel E aussagen muss.

Am Samstag und in Peking (Rennen ab 22:30 (MESZ, Freitag) auf Sky Sport 1) gibt der Rennsport aus der Steckdose sein Debüt, steigt das erste von insgesamt zehn Rennen (genannt ePrix) dieser neuen Serie unter dem Dach des Automobilweltverbandes (Fia).

Ähnlichkeiten mit der Formel 1 sind nicht zufällig und ausdrücklich gewünscht. So ist der Glamourfaktor von Beginn an beachtlich, besitzt doch Hollywoodstar Leonardo DiCaprio mit Venturi GP eines der zehn teilnehmenden Teams. "Die Zukunft unseres Planeten hängt ab von unserer Bereitschaft, wirtschaftliche und umweltfreundliche Fahrzeuge zu benutzen. Venturi Grand Prix hat mit der Entscheidung, ein umweltfreundliches Rennteam zu erstellen, enormen Weitblick bewiesen", sagte der 39-jährige Schauspieler bei der Vorstellung der Serie zu Jahresbeginn in Las Vegas.

Weltrettung auf Raten

Die CO2-Bilanz einer Rennserie, die bis zum Finale am 15. Mai 2015 in Berlin/Tempelhof um die halbe Welt jettet - gerast wird zum Beispiel auch in Buenos Aires, Los Angeles und Monaco - wird wohl immer noch ein Jammer sein. Die Boliden, mit 270 PS bis zu 230 km/h schnell, werden mit Strom betrieben, der, wenn er etwa in Peking aus der Steckdose kommt, vermutlich dennoch fossile Energie genannt werden könnte.

Ein deutlicher Nachteil ist die noch nicht ausgereifte Technik, die zu recht knackigen Rennen am Ende der eintägigen Veranstaltungen zwingt. Sie dauern nur rund 45 Minuten, wobei zur Halbzeit die Autos gewechselt werden müssen, weil den 320 Kilogramm schweren Batterien der Einheitsboliden mit Dallara-Chassis und McLaren-Aggregaten ziemlich flott der Saft ausgeht. Dafür sind sie leise, was etwa Herrn Vettel und andere Motorsportpuristen besonders stört. Für die klingen schon die neuen Formel-1-Boliden mit ihren 1,6-Liter-V6-Turbos wie Nähmaschinen.

Heidfeld als einer der bekannten Piloten

Weil es an arbeitslosen Formel-1-Piloten nie mangelt, kann die Formel E auch hier mit bekannten Namen aufwarten. DiCaprios Venturi bewegt zum Beispiel der Deutsche "Quick Nick" Heidfeld (37), der es in 183 F1-Rennen auf 13 Podestplätze (aber keinen Sieg) gebracht hat. Im Feld scheinen auch zwei Frauen auf. Die Italienerin Michela Cerruti (27) vertritt wie Routinier und Namensgeber Jarno Trulli (40, ein Formel-1-Sieg in 252 Versuchen) TrulliGP, die Britin Katherine Legge (34) ist neben Takuma Sato (37) beim japanischen Team Amlin Aguri engagiert.

Die Serie, die sich Fia-Präsident Jean Todt ausgedacht hat, wird besonders der Jugend ans Herz gelegt. Daraufhin deutet schon der seltsam anmutende Gag, dass Fans ihrem Lieblingsfahrer zu mehr Power verhelfen können. Dem Ergebnis einer Abstimmung entsprechend erhalten drei Fahrer während des Rennens den sogenannten "FanBoost", der für fünf Sekunden rund 50 PS freisetzt. "Die Formel E ist ein großer Schritt in der Geschichte des Motorsports", ist Todt sicher. (sid, lü, DER STANDARD, 13.9.2014)

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Jerome d'Ambrosio (BEL, Dragon Racing), Franck Montagny (FRA, Andretti Formula E), Stephane Sarrazin (FRA, Venturi), Sebastien Buemi (SUI, E.Dams-Renault), Michela Cerruti (ITA, Trulli), Nick Heidfeld(GER, Venturi), Karun Chandhok (IND, Mahindra Racing) und Nicolas Prost (FRA, E.Dams-Renault) gehören zum Fahrerfeld der in Peking startenden Formel E.

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Jarno Trulli hat mit TrulliGP sein eigenes Team aufgestellt.

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Seine Teamkollegin Cerruti ist neben der Britin Katherine Legge eine von zwei Frauen im 20-köpfigen Fahrerfeld.

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Ein anderes Team mit Sitz in den USA heißt "Dragon Racing". Für die Teams gibt es ein enges finanzielles Korsett.

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Für Team Virgin starten Jaime Alguersuari (ESP) und Sam Bird (GBR).

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Gefahren wird nur auf Stadtkursen in Metroplen. Peking macht den Anfang.

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Lokalmatador ist also "China Racing" mit dem chinesischen Piloten Ho-Pin Tung, der Teamkollege von Nelson Piquet ist.

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