Energieabhängigkeit: Politischer Kurzschluss

Kommentar12. September 2014, 18:07
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Österreich ist trotz riesiger Wasserkraftressourcen bei Strom bereits zu 40 Prozent von Importen abhängig

Einerlei, ob Russland nun Gaslieferungen gedrosselt hat oder übliche Schwankungen von Wien bis Warschau Moskau in die Schuhe geschoben werden: Die jüngsten Ereignisse zeigen, auf welch dünnem Eis sich Europa bewegt. Auch wenn sich Wladimir Putin mit der Kappung der Gasversorgung selbst finanziell den größten Schmerz zufügen würde, die Folgen in Europa wären dramatisch. Da erscheint es zwar putzig, wenn von der OMV bis zum Wirtschaftsminister allenthalben auf die verlässlichen Lieferungen aus Russland verwiesen wird, doch für den Fall der Fälle ist niemand gerüstet. Eigentlich ein Armutszeugnis, wenn man der Rhetorik anlässlich der Ukraine-Gaskrisen 2006 und 2009 gedenkt. Da war von Diversifizierung die Rede, von Flüssiggasimporten bis hin zu neuen Anbietern. Geschehen ist so gut wie nichts, teilweise sogar das Gegenteil: Mit South Stream wird die Russland-Abhängigkeit sogar noch erhöht.

In dieses Bild passt, dass Österreich trotz riesiger Wasserkraftressourcen bei Strom bereits zu 40 Prozent von Importen abhängig ist. Wenn der deutsche AKW-Ausstieg vollzogen sein wird, werden auch die Lieferungen aus dem Nachbarland knapper. Dann wird der Jammer wieder groß sein, dass keine neuen Kraftwerke gebaut wurden und unrentable vom Netz gegangen sind. Wird dann zukunftsträchtiger Solarstrom für die Weihnachtsbeleuchtung sorgen? Politischer Kurzschluss hat Saison. (Andreas Schnauder, DER STANDARD, 13.9.2014)

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