MH17-Absturz: Ermittler setzen auf US-Satellitenbilder

12. September 2014, 17:45
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Aufnahmen sollen Klarheit über Raketenstellungen geben

Rotterdam/Kiew - Für eine mögliche strafrechtliche Verfolgung der Verursacher des Absturzes von Flug MH17 über der Ostukraine setzen die internationalen Ermittler ihre Hoffnungen auf US-Satellitenaufnahmen, die Aufschluss über Raketenstellungen geben könnten. Die US-Aufnahmen lägen noch nicht vor, sagte der niederländische Chefermittler Fred Westerbeke am Freitag in Rotterdam.

"Wir werden sie bekommen", sagte Westerbeke, aber es sei "ein langer Prozess." Wenn "wir wissen, wo sie (eine Rakete) abgefeuert wurde, dann können wir herausfinden, wer das Gebiet kontrolliert hat". Das wahrscheinlichste Szenario sei, "dass das Flugzeug vom Boden aus abgeschossen wurde", sagte Westerbeke nach der Veröffentlichung eines Zwischenberichts der niederländischen Sicherheitsbehörde OVV.

Verdacht erhärtet

Dieser erhärtet den Verdacht auf einen Abschuss von Flug MH17: Die am 17. Juli mit 298 Menschen an Bord abgestürzte Boeing sei von "Objekten" durchsiebt gewesen und noch in der Luft auseinandergebrochen, heißt es in dem am Dienstag vorgestellten Bericht. Auf ein technisches Problem oder einen Crew-Fehler seien "keine Hinweise" gefunden worden.

Die Frage nach einem Abschuss beantwortete der Bericht nicht, auch werden die "Objekte" nicht näher identifiziert. "Jetzt müssen wir herausfinden, ob sie aus dem Innern der Maschine kommen oder ob es sich um etwas handelt, das von außerhalb des Flugzeugs kam", sagte Patricia Zorko von der niederländischen Bundespolizei. In einigen der Leichen seien "rund 25" Metallteile gefunden worden.

Auch abgefangene Telefongespräche zwischen prorussischen Separatisten, in denen es mutmaßlich um den Abschuss des Flugzeugs gehe, würden ausgewertet. Ihre Echtheit müsse überprüft werden, sagte Zorko. Die ukrainische Regierung und der Westen gehen davon aus, dass der Passagierflieger Mitte Juli von Separatisten abgeschossen wurde. Russland und die Aufständischen sehen das ukrainische Militär in der Verantwortung.

Experten mutmaßten schon kurz nach der Tragödie, der Abschuss könne durch eine Boden-Luft-Rakete vom Typ Buk erfolgt sein, wie sie in Russland gebaut wird. Buk-Raketen explodieren unmittelbar vor Erreichen ihres Ziels und treffen dieses dann mit einem Splitterhagel. Dies unterscheidet sie etwa von Raketen, die von Flugzeugen aus abgefeuert werden. Bei 193 der 298 Absturzopfern handelte es sich um Niederländer, weshalb Den Haag die Ermittlungen leitet. (APA, 12.9.2014)

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