Igor Kolomoiski: Graue Eminenz der Ostukraine

12. September 2014, 17:15
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Der Gouverneur von Dnipropetrowsk gilt in Moskau als "Staatsfeind Nummer ein". In seiner ostukrainischen Region hält er viele wichtige Fäden in der Hand

Seit Monaten kämpfen die prorussischen Rebellen in der Ostukraine gegen ein in ihren Augen "faschistisches Regime" in Kiew. Russlands Präsident Wladimir Putin charakterisierte den Sturz Wiktor Janukowitschs als "Orgie von Neonazis und Nationalisten" - und doch ist inzwischen ausgerechnet ein Jude aus Dnipropetrowsk "Staatsfeind Nummer eins" für Moskau und die Rebellen gleichermaßen: Igor Kolomoiski. Die Separatisten sehen in ihm einen Kriegsverbrecher und fordern einen Schauprozess gegen ihn.

Tatsächlich spielt Kolomoiski eine wichtige Rolle in der Ukraine-Krise: Als Gouverneur soll er die mehrheitlich russischsprachige Region unter Kontrolle halten. "Dnipropetrowsk ist der Schlüssel zum Südosten" - wer die Stadt kontrolliere, kontrolliere auch die ganze Region, sagte er einmal selbst. Seine Macht geht dabei weit über die Kompetenzen eines Gouverneurs hinaus. Der Milliardär sponsert etwa selbst ein Bataillon im Kampfgebiet.

Nachrichtenmogul

Er gilt inzwischen nicht nur bei seinen Feinden als Big Player. "Mit seinem Medienimperium hat er großen Einfluss auf die öffentliche Meinung", sagt der Kiewer Politologe Alexander Kawa. Zur Deeskalation des Konflikts haben diese Medien bisher wenig beigetragen. Seine Nachrichtenagentur Unian hat sich als Sprachrohr von Geheimdienst und Sicherheitsrat etabliert, die in den letzten Monaten mehrfach mit Fehlinformationen und teilweise billiger Propaganda "geglänzt" haben.

Daneben lanciert Kolomoiski seine eigene Agenda: einerseits weitere Privatisierungen, andererseits die Verstaatlichung der Aktiva ostukrainischer Oligarchen. Laut Experten hat der 51-Jährige eigene Geschäftsinteressen. Sein Imperium besteht aus Banken, Medien, Öl- und Fluggesellschaften - nur in der Metallindustrie ist er bisher kaum vertreten. Der Politologe Igor Semjonow vermutet, dass der Milliardär den Ukraine-Konflikt auch für eine Umverteilung der Erz- und Kohlereichtümer ausnutzen will: "Dieser Mensch tut nichts 'einfach so'."

"Graue Eminenz der Ukraine AG"

Kolomoiski selbst äußert sich zu solchen Vorwürfen nicht. Überhaupt liebt er es privat. Seinen Wohnsitz hat er in Genf, Interviews gibt er selten. Seine Pressechefin begründet dies mit einem "dichten Terminkalender". Kolomoiski braucht weder Medienrummel noch Posten. Ihn stellt das Amt der "Grauen Eminenz der Ukraine AG" durchaus zufrieden. (André Ballin aus Dnipropetrowsk, DER STANDARD, 13.9.2014)

  • Igor Kolomoiski, Big Player im Osten der Ukraine.
    foto: reuters/valentyn ogirenko

    Igor Kolomoiski, Big Player im Osten der Ukraine.

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