Karstadt steht vor harten Einschnitten

12. September 2014, 17:15
27 Postings

Die grundsätzliche Linie steht: Der neue Eigentümer René Benko spart beim Personal und schließt unrentable Filialen

Berlin - Die rund 17.000 Mitarbeiter der angeschlagenen deutschen Warenhauskette Karstadt müssen sich auf einen umfangreichen Sanierungskurs einstellen. Wo genau Einschnitte geplant sind, steht zwar noch nicht fest. Doch bei der ersten Aufsichtsratssitzung nach dem Eigentümerwechsel von Nicolas Berggruen zu dem österreichischen Immobilieninvestor René Benko (Signa) beschloss das Management die grundsätzliche Linie: Schließung von nicht rentablen Häusern und Einsparungen beim Personal.

Zur Disposition stehen 20 der 83 Häuser. Zudem sollen die Personal- und Sachkosten um 20 Prozent sinken. Denn Wettbewerber seien "mit über 20 Prozent weniger Personal auf vergleichbarer Fläche deutlich erfolgreicher", heißt es in einer Mitteilung. Und weiter: "Solche Wettbewerbsnachteile gilt es auszugleichen." Personal- und Sachkosten sollen sowohl in den Filialen als auch in der Logistik und im Servicecenter in Essen, wo das Unternehmen seinen Sitz hat, sinken.

Das Management stellte auch fest, "dass die seit 2011 verfolgte Strategie wirtschaftlich fehlgeschlagen ist" und eine weitere Fortführung des Kurses die "Verluste mittelfristig weiter ansteigen lassen" würde. 2010 hatte Berggruen die Kette übernommen. Er wollte sie mit einem Sparprogramm und Stellenabbau sanieren, investierte aber kein eigenes Geld. Zusätzlich zog er über die Markenrechte jährlich Millionen aus dem Unternehmen ab.

Widerstand der Gewerkschaft

Die Kürzungen will das Management jetzt bis zur nächsten Aufsichtsratssitzung am 23. Oktober mit den Arbeitnehmern beraten, "um die richtige Balance zwischen Sozialverträglichkeit und wirtschaftlicher Überlebensfähigkeit des Unternehmens zu finden", wie es in der Mitteilung von Karstadt heißt.

Die Gewerkschaften haben bereits Widerstand angekündigt. "Gerade die letzten Jahre haben deutlich gemacht, dass Personalabbau keine Antwort auf die Frage der Zukunft des Warenhauses ist", sagt Stefanie Nutzenberger von der Dienstleistungsgewerkschaft Verdi. Auch Gesamtbetriebsratschef Hellmut Patzelt, der selbst im Aufsichtsrat sitzt, kritisierte die Pläne. "Man kann operative Fehler und ausbleibenden Erfolg nicht ständig mit Personalabbau kompensieren." (bau, DER STANDARD, 13.9.2014)

  • Dunkle Wolken über der angeschlagenen Warenhauskette.
    foto: ap/weihrauch

    Dunkle Wolken über der angeschlagenen Warenhauskette.

Share if you care.