Aberglaube ist für Börsianer teuer

13. September 2014, 17:00
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Ob Aberglaube Mehrertrag bringt, haben Forscher nun geklärt: Ihr Fazit: Wer sich abergläubisch verhält, lässt Rendite liegen

Wien - Aberglaube ist so alt wie die Menschheit. Der Basketballstar Michael Jordan wollte niemals auf seine Shorts von der North Carolina University unter dem Trikot (Nummer 23) der Chicago Bulls verzichten. Der Fédération Internationale de l'Automobile hat bis zu dieser Saison noch nie die Startnummer 13 in der Formel 1 vergeben. Und die Olympischen Sommerspiele in Peking begannen am 8. August 2008 um acht Uhr, weil die Zahl Acht in der chinesischen Kultur als Glückszahl gilt - und Vier als Unglückszahl. Deshalb haben Häuser in China auch keinen vierten Stock. Der Hintergrund ist ein fonetischer: Auf Mandarin klingt die Aussprache der Zahl Vier wie Tod, Acht klingt dagegen wie gutes Schicksal.

Was aber hat das mit den Börsen zu tun? Ökonomen aus Taiwan und Hongkong sind der Frage nachgegangen, ob Aberglaube die Finanzmärkte beeinflusst. In ihrer Arbeit analysierten die Forscher in einem Zeitraum von fünf Jahren mehr als 100 Millionen Handelsoptionen am Taiwan Futures Exchange Market (Taifex). Aberglaube maßen die Forscher mit der Häufigkeit, mit der Preise mit einer Acht am Ende des Kurses gewählt wurden und die Endziffer Vier vermieden wurde.

Wurde z. B. bei einer Limit-Order ein Höchstpreis von 6,508 fixiert, werteten dies die Ökonomen als Glückszahl. Kurse wie 6,504 klassifizierten sie als Unglückszahl. Maßgeblich für die Einordnung war also immer die letzte Ziffer. Die Ökonomen errechneten daraufhin den Anteil der auf einer Acht bzw. einer Vier endenden Aufträge am gesamten Handelsvolumen. Das Ergebnis: Die Glücksziffer Acht war bei den abgewickelten Aufträgen überdurchschnittlich häufig vertreten, die Unglücksziffer Vier dagegen kaum - das lässt, so die Forscher, darauf schließen, dass es sich um keinen bloßen Zufall handelt, sondern um eine vom Aberglauben gesteuerte Motivation.

Zwischen den Marktteilnehmern gibt es jedoch erhebliche Unterschiede. Institutionelle Anleger und ausländische Investoren zeigten keine statistisch signifikante Neigung zur Acht, wohingegen lokale Einzelhändler aus Taiwan besonders empfänglich für diese Endziffer waren.

Diese Irrationalität kostet Geld, fanden die Forscher heraus. Das oberste Fünftel der auf einem Index ermittelten abergläubischen Investoren erzielte am Tag durchschnittlich um 0,03 Prozent weniger Ertrag als das unterste Fünftel. Das wirkt zunächst als geringe Summe. Doch gerechnet auf das Jahr betrug der Verlust laut Forschern 8,8 Prozent. Die Vermeidung der Ziffer Vier verringerte die Einkünfte um zwei Prozent. Der Aberglaube kommt die Anleger also teuer zu stehen. "Die Ergebnisse zeigen, dass die Investment-Performance deutlich negativ mit dem numerischen Aberglauben einzelner Investoren verbunden ist", fassen die Autoren zusammen.

Die mystisch angehauchten Zahlenspiele seien aber auch berechenbar und somit ein leichtes Ziel für Hochfrequenzhändler. Jedoch, so fügen die Forscher hinzu, ergebe sich der Zusammenhang nur für den taiwanesischen Aktienmarkt und sei nicht ohne weiteres auf den globalen Wertpapierhandel übertragbar. Zur Ehrenrettung der taiwanesischen Trader stellten die Ökonomen fest, dass mit der Zeit Lerneffekte eintreten und die abergläubische Einstellung auf Dauer abnimmt. Zumindest vom Glauben an Profit scheinen die Investoren nicht abgefallen zu sein. (Adrian Lobe, DER STANDARD, 12.9.2014)

  • In Europa gilt 13 als Unglückszahl, viele fürchten Freitag, den 13. In Asien wird die Zahl Vier gemieden - auch an der Börse.
    foto: ap/pleul

    In Europa gilt 13 als Unglückszahl, viele fürchten Freitag, den 13. In Asien wird die Zahl Vier gemieden - auch an der Börse.

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