Strand und Berge werden sich wohl nicht ausgehen

15. September 2014, 06:08
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Hermann Botolen, Sommelier im Wiener Dom-Beisl, wohnt mit seiner Lebensgefährtin Barbara Koth in einer Dachwohnung im zweiten Bezirk

Hermann Botolen, Sommelier im Wiener Dom-Beisl, wohnt mit seiner Lebensgefährtin Barbara Koth in einer Dachwohnung im zweiten Bezirk. Michael Hausenblas erzählte er vom Wohnen nach der Sperrstunde.

"Ich wohne seit dem Jahr 2012 mit meiner Lebensgefährtin Barbara Koth in einer Dachgeschoßwohnung im zweiten Bezirk, in der Nähe des Volkertmarkts. Wir sind seit zweieinhalb Jahren ein Paar, zuvor hat Barbara im 18. Bezirk gewohnt, es war allerdings nicht schwer, sie zu überreden, in die Leopoldstadt zu kommen. Ich wohnte schon vorher lange in dieser Ecke Wiens. Die Entscheidung, gemeinsam in eine neue Wohnung zu ziehen, wurde relativ unkompliziert gefällt. Ich denke, wir sind in einem Alter, in dem man weiß, ob man zusammenbleiben möchte.

foto: lisi specht
Sommelier Hermann Botolen und seine Lebensgefährtin Barbara Koth in ihrer Dachterrassenwohung, in der es freilich jede Menge Weingläser gibt. (Bildansicht durch Klick vergrößern)

Wir schätzen die Nähe zum Donaukanal, zum Prater, zum Augarten und zur Donauinsel. Und in zehn Minuten bin ich im ersten Bezirk, also auch im Dom-Beisl, wo ich tätig bin. Ich arbeite schon seit 25 Jahren im Zentrum, und der 18. Bezirk war mir zu weit weg.

Die Wohnungssuche dauerte eine ganze Weile, wir haben uns sicher an die 15 Objekte angeschaut. Wir fanden unsere Wohnung im sechsten Stock eines generalsanierten Jahrhundertwendehauses, auf dessen Dach vier Wohnungen neu errichtet wurden.

Beim Besichtigungstermin waren auch vier andere Pärchen anwesend, da hieß es gleich zuschlagen. Für Barbara war es Liebe auf den ersten Blick, und ich war auch rasch überzeugt.

Die Wohnung, die wir mieten, ist sehr offen und großzügig gestaltet. Es gibt auf 116 Quadratmetern einen Vorraum, ein Abstellzimmer, Bad, WC, eine großzügige Wohnküche, ein Schlafzimmer und einen Schrankraum mit Bürofunktion, der vielleicht einmal zum Kinderzimmer wird.

Einen Balkon gibt's auch, das war vor allem für Barbara wichtig, da sie damals, als wir einzogen, noch geraucht hat. Inzwischen hat sie es sein lassen, der Balkon freut uns natürlich trotzdem. Außerdem gibt es riesige Panoramafenster. Auf der einen Seite sieht man den Kahlenberg und weiter bis nach Klosterneuburg, vom Balkon aus blicken wir auf den Stephansdom und das Rathaus, ein unglaublicher Ausblick.

Auch was die Einrichtung betrifft, bewegen wir uns auf einer Linie. Wir haben viel herumgeschaut, und die Möbel stammen aus verschiedenen kleineren Geschäften in der Stadt. Ich denke, es ist ein Vorteil, wenn man eine Wohnung von Grund auf gemeinsam gestalten kann. Zieht der eine zum anderen in eine bestehende Bleibe, ist das bestimmt heikler.

Die Küchengestaltung war schwieriger, das war eher eine Odyssee, aber auch das haben wir hingekriegt. Uns ist gerade im Küchenbereich das Offene wichtig, ich mag es nicht, wenn einer in der Küche verschwindet.

Ich selbst komme leider wenig zum Kochen und Wohnen, bin mehr oder weniger die ganze Woche bis spätabends im Restaurant. Es wäre auch schön, öfter mal Freunde einzuladen. Ein Tag jedoch, der gehört uns ganz allein, und diesen Tag verbringen wir unglaublich gern zu Hause mit Zeitunglesen, Knotzen, Kochen.

Barbara hat's diesbezüglich besser erwischt, denn sie ist Lehrerin und kommt gerade in den Ferien sehr intensiv dazu, unser Nest zu genießen. Ja, man kann ruhig Nest sagen, denn Wohnen hat für mich definitiv etwas mit Rückzug zu tun, gerade wenn man den ganzen Tag von Menschen umgeben ist.

Für mich wäre es ein Traum, irgendwann einmal ein Haus in den Bergen zu haben, vielleicht ein Bauernhaus in der Salzburger Gegend. Meine Frau hätte lieber ein Häuschen am Strand. Beides wird sich wohl nicht ausgehen. In Sachen Urlaub ist das schon einfacher. Eine Woche geht's in die Berge, eine ans Meer. Aber dass man das nicht falsch versteht: Wir sind hier sehr happy - und die Donauinsel vor der Haustür zu haben ist auch viel wert." (DER STANDARD, 13.9.2014)

Hermann Botolen wurde 1967 im steirischen Feldbach geboren. Er absolvierte von 1982 bis 1985 eine Lehre im Wiener Parkhotel Schönbrunn. Im Anschluss daran arbeitete er zum Beispiel im Hotel Fürstenhaus im Tiroler Pertisau oder im Hotel Piz Buin in Klosters in der Schweiz. Für eine Saison war er Wine-Steward auf der MS Europa. Botolen war u.a. auch Filialleiter von Wein & Co in der Habsburgergasse, Restaurantchef und Sommelier im Drei-Hauben-Restaurant Meinl am Graben und ist seit 2013 Restaurantleiter und Sommelier im Dom-Beisl beim Stephansdom.

Link

dombeisl.at

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