Frequenzerhebung: Warum ein Center ins Zentrum gehört

15. September 2014, 11:17
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Eine ganze Innenstadt profitiert davon, wenn eine Shoppingmall ins Zentrum kommt

Fehlende Raumplanung im Allgemeinen, Einkaufs- und Fachmarktzentren auf der "grünen Wiese" im Speziellen sorgen hierzulande immer wieder für Kopfschütteln. Experten predigen seit vielen Jahren, dass die Gemeindeoberen, wenn sie schon ein Einkaufzentrum in ihrer Gemeinde wollen, dieses in der Innenstadt ansiedeln sollten.

Constanze Schaffner vom Stadt- und Standortentwicklungsberater Cityteam kann die Sinnhaftigkeit dieser Forderung belegen: Ihr Unternehmen führt seit dem Jahr 2000 Frequenzerhebungen in rund 100 österreichischen Innenstädten durch. Laut ihrer Analysen profitiert eine gesamte Innenstadt enorm davon, wenn es gelingt, eine Shoppingmall direkt ins Zentrum zu bringen. Die Rosenarcade in Tulln, das Kaufhaus Tyrol in Innsbruck oder das Leoben City Shopping (LCS) nennt sie als positive Beispiele.

Erfolgsbeispiel Leoben

Gerade der Fall Leoben klingt besonders überzeugend: Das befindet sich direkt am Hauptplatz und soll im kommenden Jahr unter Einbeziehung des angrenzenden Altbestands noch erweitert werden. Aus Schaffners Zahlen ist klar herauszulesen, welche Impulse das innerstädtische Zentrum der Stadt gab: Seit den frühen 2000er-Jahren konnte die wöchentliche Passantenfrequenz am Hauptplatz fast verdoppelt werden, von 48.600 im Jahr 2001 auf nunmehr regelmäßig über 90.000.

In der letzten Erhebung im Oktober 2013 konnte sich der Hauptplatz der zweitgrößten steirischen Stadt sogar vor den Zentren der wesentlich größeren Städte St. Pölten und Villach positionieren. Auch in Innsbruck, wo 2010 das Kaufhaus Tyrol in der Fußgängerzone eröffnet wurde, ging es steil bergauf: Noch vor wenigen Jahren zählte man in der Maria-Theresien-Straße wöchentlich rund 120.000 Passanten, seit 2011 regelmäßig mehr als 190.000.

Schaffner will klar betont haben, dass es eben nicht reiche, ein Center nur "angrenzend an die Altstadt" zu positionieren - "das ist nicht dasselbe." In ihrer Heimatstadt St. Veit an der Glan etwa gibt es Pläne für ein Center am Rande der Altstadt. "Da wird die Innenstadt trotzdem kaputt", prophezeit sie. (Martin Putschögl, DER STANDARD, 13.9.2014)

  • In Innsbruck ging es nach der Eröffnung des Kaufhaus Tyrol 2010 steil bergauf.
    foto: apa/robert parigger

    In Innsbruck ging es nach der Eröffnung des Kaufhaus Tyrol 2010 steil bergauf.

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