"Nachzahlung kann eingeklagt werden"

12. September 2014, 17:20
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Der AUA-Betriebsrat betont, dass die Mitarbeiter einen Rechtsanspruch auf bisher entgangene Ansprüche geltend machen können

Wien - "Die Kollegen des fliegenden Personals haben "einen Rechtsanspruch auf die Nachzahlung des Kollektivvertrages", sagte AUA-Bord-Betriebsratschef Karl Minhard zum Standard. Das gleiche gelte für den Anspruch auf Abfindung der Pensionsansprüche. Das seien Ansprüche, über die der Betriebsrat nicht verhandeln könne, weil sie jeder Einzelne einklagen könne. Es handle sich um individuelle Rechte, "die kann ich nicht rückgängig machen", so Minhard. Das Einzige, das er verhandeln könne, sei ein Vergleichsvorschlag. Und an diesem wird offenbar gearbeitet. Wie berichtet, hat der Europäische Gerichtshof (EuGH) entschieden, dass der alte, vor zwei Jahren von der Airline gekündigte AUA-Kollektivvertrag so lange nachwirke, bis ein neuer vereinbart wurde.

Der Anwalt von Betriebsrat und Gewerkschaft, Roland Gerlach, betonte, dass ein Kollektivvertrag zwar rückwirkend abgeschlossen werden kann, ein Eingriff in bereits fällige Forderungen, die sich aus dem Betriebsübergang beziehungsweise dem EuGH-Spruch ergeben, aber wohl als unzulässig qualifiziert würde. Eine Sanierung des Unternehmens über den Kollektivvertrag wäre vor dem Betriebsübergang erheblich leichter gewesen, so Gerlach. Jetzt würden bereits entstandene Forderungen den Verhandlungsspielraum für einen neuen Kollektivvertrag beträchtlich begrenzen.

Wie berichtet, sind die AUA-Gehälter seit dem Betriebsübergang auf die billigere Tyrolean eingefroren. Die Differenz, von 2012 bis jetzt müsste die AUA nachzahlen, sollte man sich nicht einigen. Um wie viel Geld es dabei geht, gibt die Airline nicht preis, in der Bilanz rückgestellt wurde zur Jahresmitte ein zweistelliger Millionenbetrag. Hinzu kommen die Forderungen aus der Pensionsabfindung.

Komplizierte Alternativen

Kommt es zu keiner Verhandlungslösung mit den Piloten, dürfte die Lufthansa-Tochter AUA an mehreren Szenarien basteln: Möglich wäre etwa eine Neugründung der Airline. Das Problem dabei wären die Flugrechte in Drittstaaten, etwa die Vereinigten Arabischen Emirate. Gedacht wird offenbar auch an Einzelvertragsänderungen und Änderungskündigungen. Letzteres würde Gehaltskürzungen um mindestens 25 Prozent samt Auszahlung der alten Abfertigungsansprüche bedeuten. Allerdings betonte ein AUA-Sprecher, dass einer Verhandlungslösung "große Priorität" eingeräumt werde. Am Mittwoch um 9.30 Uhr findet eine Betriebsversammlung der Bord-Crews statt. Dort will Minhard über den Stand der Dinge informieren und wohl auch mögliche "Alternativszenarien" des Vorstandes erläutern.

Am kommenden Mittwoch findet wieder eine Betriebsversammlung für das fliegende Personal statt. Wie so oft schon in den vergangenen Jahren geht es um den Status quo bei den Verhandlungen mit dem Vorstand. (Claudia Ruff, DER STANDARD, 13.9.2014)


  • Die AUA beschwört ihre Bord-Mitarbeiter, auf dem Verhandlungsweg einem neuen Kollektivvertrag zuzustimmen. Am kommenden Mittwoch findet wieder eine Betriebsversammlung für das fliegende Personal statt. Wie so oft schon in den vergangenen Jahren geht es um den Status quo bei den Verhandlungen mit dem Vorstand.
    foto: ap/punz

    Die AUA beschwört ihre Bord-Mitarbeiter, auf dem Verhandlungsweg einem neuen Kollektivvertrag zuzustimmen. Am kommenden Mittwoch findet wieder eine Betriebsversammlung für das fliegende Personal statt. Wie so oft schon in den vergangenen Jahren geht es um den Status quo bei den Verhandlungen mit dem Vorstand.

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