Migräne: Warnung vor Selbstmedikation

12. September 2014, 12:15
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Chronische Kopfschmerzen können viele Ursachen haben - eine neurologische Abklärung ist für die Therapie wichtig

Kopfschmerzen gehören in Österreich zu den häufigsten chronischen Beschwerden, die zwar meist harmlos, für die Betroffenen aber sehr belastend sind. Dabei würde sich rund ein Drittel der Patienten mit Schmerzmitteln selbst therapieren, ohne Art und Ursache der chronischen Kopfschmerzen beim Hausarzt bzw. Spezialisten abklären zu lassen. Eine gründliche Anamnese sei aber für die maßgeschneiderte Therapie wichtig, betonte Heinrich Spiss, Obmann der Bundesfachgruppe für Neurologie in der Österreichischen Ärztekammer (ÖÄK).

Allein in Österreich seien mehr als zehn Prozent der Bevölkerung von Migräne betroffen - Frauen fast doppelt so oft wie Männer -, die Krankheit führe jährlich zu knapp sieben Millionen Krankenstandstagen und ziehe entsprechende volkswirtschaftliche Folgen nach sich.

"Eine Migräneattacke unterscheidet sich grundlegend von Spannungskopfschmerz oder dem so genannten Medikamenten-Kopfschmerz. Entsprechend muss die Therapie angepasst werden", sagte Spiss. Manche Medikamente seien beispielsweise nur bei Migräne wirksam, während andere selbst noch Monate oder Jahre nach der Einnahme Nebenwirkungen nach sich ziehen könnten.

Elendige Plage

Auch die Ursachen der verschiedenen Kopfschmerz-Typen seien unterschiedlich. Spiss: "Eine Migräne kann unter anderem durch Stress, Hormonschwankungen oder Alkohol ausgelöst werden. Sie kann auch mehrmals pro Monat auftreten und bis zu 72 Stunden dauern. Spannungskopfschmerz dagegen kann zur täglichen Plage werden, von Medikamenten verursachte Kopfschmerzen sind überhaupt oft dauerhaft."

Zusätzlich gebe es Begleiterscheinungen, die bei der Anamnese berücksichtigt werden müssten, etwa Übelkeit, Erbrechen, Licht- und Lärmempfindlichkeit bei Migräne, Appetitlosigkeit bei Spannungskopfschmerz und leichte Übelkeit bei Medikamenten-Kopfschmerz.

Im Rahmen des Arztgespräches müsse genau festgehalten werden, wo und wie oft die Schmerzen auftreten, wie lange sie anhielten und ob zusätzliche Symptome auftreten. In der Folge könne der Arzt dann bestimmen, ob es sich um harmlose oder gefährliche Kopfschmerzen handle und ob weitere Untersuchungen notwendig seien. "Ich würde allen, die unter Kopfschmerzen leiden, außerdem dazu raten, ein Kopfschmerz-Tagebuch zu führen. Dies kann bei der Diagnose sehr hilfreich sein und uns Ärzten dabei helfen, den Kopfschmerztyp festzustellen und die richtige Therapie zu finden", appellierte Spiss an die Patientinnen und Patienten.

Von einer Selbsttherapie mit Schmerzmitteln riet der Experte dringend ab. "Das kann in einen Teufelskreis münden. Die übermäßige Einnahme von Schmerzmitteln kann letztlich zu Dauerkopfschmerzen führen, schlimmstenfalls geraten die Betroffenen in eine Abhängigkeit von Schmerzmitteln", warnte der Experte abschließend. (APA, derStandard.at, 12.9.2014)

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