Klar strukturiert und doch etwas verloren

12. September 2014, 18:28
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Thea Djordjadze, documenta- und biennaleerprobt, zeigt bei Meyer Kainer Neues

Wien - Dass sich Thea Djordjadze für Gegensätzliches interessiert, lässt bereits der Titel ihrer Ausstellung erahnen: A Guide on Wrong Path nennt sie ihre zweite Soloschau in der Galerie Meyer Kainer, in der man vier große, auf sechs Beinen stehende Behältnisse sieht. Aufgrund ihrer metallenen Gitterstruktur erinnern sie genauso an minimalistische Formen wie an Käfige oder aus Naturhistorischen Museen bekannte Vitrinen.

Während man dort Exponate versammelt, die man für die menschliche Historie als wichtig erachtet, hat die in Berlin und Tiflis lebende Künstlerin in ihren "Displays" nicht unbedingt identifizierbare, teils amorphe Gebilde platziert: Ein kleiner, bunter Pappmachéknödel hängt da zwischen den Stäben, in einem anderen wurden Holzscheite drapiert, und irgendwo wurde ein geflochtener Korb mit Gips in ein folkloristisches Objekt transformiert.

Der Künstlerin, die zunächst in Georgien Malerei und später bei Rosemarie Trockel Bildhauerei studierte, geht es in ihrer Arbeit immer wieder um ungewöhnliche ästhetische Konstellationen. Sie arbeitet dabei überwiegend mit ärmlichen Materialien wie Gips, Schaumstoff oder Holz und legt mit diesen ihre meist ortsspezifischen Parcours aus.

In ihrer aktuellen Präsentation konterkariert die derzeit hochgehandelte Künstlerin (u. a. Kunstpreise, Magazinfeatures und zahlreiche Ausstellungen in wichtigen internationalen Häusern) mit ihren amorphen Objekten zum einen die Gitterstruktur der Displays, gleichzeitig sieht man schon am Eingang, dass man mit der Ausstellung auch eine Inneneinrichtung betritt: Auf einem Teppich befindet sich ein Objekt, das auch als Abstellfläche für Schuhe geeignet erscheint, und die Gitterdisplays könnten genauso gut industriell gefertigte Garderoben sein.

Das erinnert an Heimo Zobernig, und ähnlich wie dieser hat auch Djordjadze immer wieder die Widersprüche der Moderne verhandelt, alte bildhauerische Fragen (etwa zum Verhältnis von Form und Funktion, von Podest und Skulptur) neu definiert. Auf dieses Wissen, aber auch auf ein feines Gespür für Materialien, Formen und Dimensionen geht auch das assoziativ aufgeladene Setting in Wien zurück. Darin ergeben sich zwar schöne, poetische und surreale Momente - der Betrachter verliert sich aber auch leicht in den etwas zu häufigen Uneindeutigkeiten. (Christa Benzer, Album, DER STANDARD, 13./14.9.2014)

Bis 27. 9., Galerie Meyer Kainer
Eschenbachgasse 9, 1010 Wien
www.meyerkainer.com

  • Detailansicht einer Installation von Thea Djordjadze (Ohne Titel, 2014).
    foto: marcel koehler

    Detailansicht einer Installation von Thea Djordjadze (Ohne Titel, 2014).

  • Einblick in die Ausstellung von Thea Djordjadze in der Galerie Meyer Kainer
    foto: marcel koehler

    Einblick in die Ausstellung von Thea Djordjadze in der Galerie Meyer Kainer

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