Wettbewerb: Österreich droht zurückzufallen

12. September 2014, 14:12
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Österreichs Industrie brauche mehr Akademiker, Frauen und Migranten im Arbeitsmarkt, urteilt die EU-Kommission in ihrem jährlichen Bericht

Brüssel – Wieder keine guten Nachrichten für Österreich. Nachdem das Land erst vergangene Woche im Wettbewerbsranking des WEF um fünf Plätze abgestürzt ist, wird es von der EU-Kommission in einem neuen Bericht nur in der Gruppe der Länder mit hoher, aber stagnierender oder sinkender Wettbewerbsfähigkeit gereiht.

Dort ist Österreich aber nicht alleine. Von zwölf Ländern, denen die EU-Kommission aktuell eine hohe Wettbewerbsfähigkeit zuschreibt, finden sich acht in der Gruppe mit Österreich. Nur die Niederlande, Deutschland, Dänemark und Irland verbessern laut Kommission ihre Wettbewerbsfähigkeit.

Nicht so schlecht

Im Länderbericht schmiert die EU-Kommission Österreich trotzdem Honig ums Maul. Österreich habe eine starke und wettbewerbsfähige Wirtschaft und eine dynamische Industrie. Die Arbeiter seien produktiv, es werde viel exportiert, die Bürokratie sei effizient und das Wirtschaftsumfeld gut.

Österreich sei in der Vergangenheit auf einem guten Weg zum Innovationsführer gewesen, schreibt die Kommission weiter. Das habe sich jetzt aber verlangsamt. Österreich brauche mehr Uni-Abschlüsse, die Arbeitsmigration gehöre „verbessert“ und Frauen und Migranten besser in den Arbeitsmarkt integriert.

Bei der Präsentation des Berichts zeigte EU-Kommissar Ferdinando Nelli Feroci aber auch auf, wie sehr die Krise die Industrie geschädigt hat. Zwischen 2007 und 2012 seien 3,5 Millionen Jobs in der Industrie weggefallen.


Der Anteil an der Wirtschaftsleistung sei zwischen 2008 und 2013 von 15,8 Prozent auf 15,1 Prozent zurückgegangen. Das widerspricht dem von vielen Ökonomen schon lange als unrealistisch eingeschätztem Ziel der EU, den Anteil der Industrie bis 2020 auf 20 Prozent zu steigern.

Zugang zu Krediten

Was braucht es also, um die europäische Industrie wieder auf die Beine zu bekommen? EU-Kommissar Feroci hat Antworten. Zuallerst müsse einmal wieder mehr investiert werden. Europa sei die einzige Region der Welt, in der die Investitionen in den vergangenen Jahren rücklaufig waren.

Dazu brauche es Geld, 225 Milliarden Euro zusätzlich alleine bis 2016. Unternehmen müssten dazu besseren Zugang zu Krediten bekommen. Europa müsse darüber hinaus innovativer werden und die Effizienz der öffentlichen Verwaltung verbessern. (sat, derStandard.at, 12.9.2014)

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