Kulturposten-Ernennungen: Richtig international

Kommentar11. September 2014, 17:49
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Hochbezahlte Kulturposten werden nicht mehr nach persönlichen Sympathiewerten vergeben

Keiner der üblichen Verdächtigen als Direktor des Wien-Museums: Wie, bitte schön, ging das denn - in einem Land, dessen Ex-Kulturministerin Claudia Schmied bei Personalentscheidungen lieber auf Bauchgefühle und intransparente Informantennetze als auf nachvollziehbare Entscheidungskriterien vertraute? So brüskierte sie Bundeskanzler Alfred Gusenbauer: Statt seines Favoriten Neil Shicoff berief sie Dominique Meyer und Franz Welser-Möst als Führungsduo an die Wiener Staatsoper. Bekanntlich ging dieser Tage die Blitzscheidung der zwangsverpartnerten Opernchefs über die Bühne.

Nun lässt die ebenso unerwartete wie erfrischende Bestellung von Matti Bunzl zum Museumsdirektor hoffen, dass - endlich - auch in Österreich hochbezahlte Kulturposten nicht nach persönlichen Sympathiewerten vergeben werden. Wie in der großen, weiten Kunstwelt üblich, traf Kulturstadtrat Andreas Mailath-Pokorny die (vermutlich goldrichtige) Direktorenwahl, nachdem ein Kuratorium den in den USA tätigen Universitätsprofessor Matti Bunzl aufgrund seines Bewerbungskonzeptes als Nachfolger für Wolfgang Kos vorgeschlagen hatte.

Auch Kulturminister Josef Ostermayer verlässt sich bei der Suche nach einem geeigneten Burgtheaterchef nicht auf geheime Einflüsterer und Befindlichkeiten, sondern auf eine öffentlich bekannte Expertenkommission. Das kann ja noch was werden: sogar richtig international. (Andrea Schurian, DER STANDARD, 12.9.2014)

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