EuGH-Urteil gegen AUA: Pyrrhussieg der Piloten

Kommentar11. September 2014, 17:42
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Gewerkschaftlich organisierte Piloten erweisen sich Mal für Mal als beinharte Verhandler

Die AUA ist mit der einseitigen Aufkündigung des Kollektivvertrags mit dem fliegenden Personal 2012 bewusst ein rechtliches Risiko eingegangen. Nach der neuerlichen Niederlage gegen die klagenden Gewerkschaften - diesmal vor dem Europäischen Gerichtshof - muss sich die Airline fragen, ob sie sich nicht verspekuliert hat.

Aus Sicht der nationalen und europäischen Richter ist der Ausstieg aus einem überteuerten Kollektivvertrag ohne Zustimmung der Arbeitnehmerseite ein Tabu. Einseitig geht gar nichts, lautet ihre Botschaft; ihr müsst am Verhandlungstisch eine Lösung finden.

Das ist leichter gesagt als getan. Gewerkschaftlich organisierte Piloten erweisen sich Mal für Mal als beinharte Verhandler, die ihre vertragliche und operationelle Machtposition ausnutzen, um möglichst wenig Zugeständnisse zu machen. Das erlebt auch die von Pilotenstreiks geplagte AUA-Mutter Lufthansa dieser Tage schmerzhaft.

Das wäre ja verständlich, wenn nicht angesichts finanzieller Altlasten, geopolitischer Risiken und der Konkurrenz der mit Ölgeldern subventionierten Golf-Fluglinien das Überleben der europäischen Luftfahrtindustrie insgesamt auf dem Spiel stehen würde. Die Möglichkeiten, aus der Kostenfalle herauszufinden, werden für sie immer weniger. Irgendwann steht - wie einst in den USA - bei allen Altfluglinien die Insolvenz als letzter Ausweg im Raum. Doch das wäre auch für die Piloten ein Pyrrhussieg. (Eric Frey, DER STANDARD, 12.9.2014)

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