"Sprachsalz": Auf Wiedersehen, Hochleistung

11. September 2014, 17:48
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Beim Tiroler Literaturfestival "Sprachsalz" gibt die Österreicherin Milena Michiko Flasar literarische Kostproben über die japanische Hochleistungsgesellschaft

Kein Wettlesen, kein Bestsellerwahnsinn, keine Neuerscheinungslawine, nicht einmal ein Themenschwerpunkt: Die Organisatoren des Literaturfestivals Sprachsalz in Tirol haben, getrieben vom Lesehunger, ganz auf ihr Herz und ihren Geschmack vertraut und aufs Geratewohl vielstimmige, vielsprachige Literatur gewählt und Autoren zu Lesungen eingeladen.

Die meisten von ihnen lesen zweimal, sodass die Hörerschaft bei freiem Eintritt den Lieblingsautor wiederholt hören kann. Aus Schottland reist Romancier John Burnside an und liest aus seinem verstörenden wie brillanten Roman-Erstling Haus der Stummen (Knaus-Verlag). Er handelt von einem perversen Forschergeist.

Die Österreicherin Milena Michiko Flasar bringt ihren beklemmenden Roman Ich nannte ihn Krawatte (Klaus Wagenbach) nach Hall mit. Darin gibt sie zwei aus der japanischen Hochleistungsgesellschaft in das soziale Abseits gefallenen Menschen eine berührende und eindringliche Stimme.

Der Eröffnungsabend heute ist dem 2006 verstorbenen unkonventionellen Komponisten und Sprachkünstler Otto M. Zykan gewidmet, gestaltet wird er von dessen Lebensgefährtin, der Wiener Musikjournalistin Irene Suchy. Die große Sprachsalz-Gala morgen, Samstag, wird vom großartigen Schauspieler Josef Bierbichler getragen. Er wird Kostproben aus seinem Generationenroman Mittelreich (Suhrkamp) geben.

Gespannt sein darf man, wie jedes Jahr, auf die Überraschungslesung am Sonntag; sie bleibt geheim bis zum Schluss. Im Vorjahr: Martin Walser. (dns, DER STANDARD, 12.9.2014)

12.-14. 9., Sprachsalz, Hall i. Tirol

Link

www.sprachsalz.com

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