Gemähte Tenniswiese mit Tücken

11. September 2014, 15:31
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Österreichs Daviscup-Team müht sich in Lettland um den Verbleib in der Europa-Afrika-Zone I. Ob dies gelingen kann, hängt maßgeblich mit dem Einsatz von Ernests Gulbis zusammen. Die lettische Nummer eins wurde vorerst nur im Doppel aufgeboten

Valmiera/Wien - "Wir sind in beiden Singles Favorit, und ich erwarte, dass wir das auf dem Platz auch ausstrahlen." Die Aussage von ÖTV-Daviscup-Kapitän Clemens Trimmel klingt schlüssig. Schließlich hat Lettland für die beiden Auftaktspiele in der ersten Playoff-Runde der Europa-Afrika-Zone I in Valmiera nicht gerade zwei Weltstars des Tennissports nominiert. Andis Juska und Janis Podzus heißen die Herren, die am Freitag (ab 14 Uhr, ORF Sport Plus) von Martin Fischer und Jürgen Melzer besiegt werden könnten - und sollten.

Juska ist in der Weltrangliste 710., Podzus 795. Melzer rangiert auf Position 109, Fischer auf 210. Trimmels Rechnung könnte also aufgehen, auch wenn Juska die beiden bisherigen Duelle (2007 und 2009) mit Fischer für sich entscheiden konnte.

Verwirrspiel um Gulbis aufgelöst

Die Sache hat allerdings einen Haken. Lettland hat noch Ernests Gulbis. Die Weltrangliste spuckt ihn auf Rang 13 aus. Gulbis' österreichischer Trainer Günter Bresnik hatte ein Antreten seines Schützlings im Daviscup mehrmals ausgeschlossen. Nun stieß Gulbis, zwar verspätet, aber doch zum Team. Vorerst wurde er nur für das Doppel am Samstag nominiert. Gemeinsam mit Mikelis Libietis soll er gegen Alexander Peya und Philipp Oswald antreten.

Allerdings können die Kapitäne bis eine Stunde vor Beginn noch Änderungen vornehmen. Die Voraussetzungen wären komplett andere, spielte Gulbis im Einzel. Der 26-Jährige ist sowohl gegen Melzer als auch gegen Fischer hoch zu favorisieren. Die Sache wäre dann für Österreich ganz und gar nicht so klar, wie etwa Dominic Thiem gemeint hat.

Ebenso wie Andreas Haider-Maurer hatte Österreichs Nummer eins, zuletzt Achtelfinalist bei den US Open, für das Auswärtsspiel abgesagt - wegen der körperlichen Belastungen der vergangenen Wochen. Thiem, ebenfalls Bresnik-Schützling, hatte Gulbis zuletzt in der zweiten Runde von New York besiegt.

Unterschätzt will Trimmel auch die anderen lettischen Spieler nicht wissen: "Wir haben sie im Training beobachtet, die können auch Hallentennis spielen. Wir sind aber gut vorbereitet und wollen von Anfang an zeigen, wer das Heft in der Hand hat."

Melzer, in Valmiera in der Rolle der Nummer eins, hat gegen Gulbis bisher einmal gespielt und einmal verloren. Juska, wie auch seinen vermutlichen Auftaktgegner Podzus traf er noch nie.

Melzer kein bisschen müde

"Es wird wichtig sein, mich so schnell wie möglich auf ihn einzustellen, weil ich ihn überhaupt nicht kenne", sagte Melzer. "16 Jahre Verpflichtung für den Daviscup und ich bin es immer noch nicht müde", schrieb der 33-Jährige auf Twitter. Wohl ein Seitenhieb auf Thiem, dessen Absage der Niederösterreicher kritisiert hatte.

Gespielt wird in dem 2000 Zuschauer fassenden Stadion Vidzemes Olimpiskaos Centrs auf einem eher langsamen Hartplatz. "Die Letten sind vom Typ her recht zügige Hallenspieler, deshalb hätten wir mit einem schnelleren Belag gerechnet. Für uns sollte das aber kein Nachteil sein", sagte Trimmel.

Der Verlierer der Begegnung hat Ende Oktober gegen den Verlierer aus Rumänien vs. Schweden noch eine weitere Chance, den Abstieg zu verhindern. (APA, rie, DER STANDARD, 12.9.2014)

  • Ernests Gulbis' eigenwillige Vorhandbewegung wird nun doch beim Daviscup-Duell mit Österreich in Valmiera zu sehen sein. Der Weltranglisten-13. ist der mit Abstand bestgereihte Spieler der Veranstaltung.
    foto: epa/peter foley

    Ernests Gulbis' eigenwillige Vorhandbewegung wird nun doch beim Daviscup-Duell mit Österreich in Valmiera zu sehen sein. Der Weltranglisten-13. ist der mit Abstand bestgereihte Spieler der Veranstaltung.

  • Jürgen Melzer: "16 Jahre Verpflichtung für den Davis Cup und ich bin es immer noch nicht müde."
    foto: apa/ expa/michael gruber

    Jürgen Melzer: "16 Jahre Verpflichtung für den Davis Cup und ich bin es immer noch nicht müde."

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