Ö3-Vize bei Beraterfirma: SP-Kultursprecherin fordert Konsequenzen

11. September 2014, 14:26
36 Postings

Vizechef coacht für Firma, die Ö3 berät - ORF "weit von Musikcharta entfernt", kritisiert SP-Politikerin Hakel - Politische Morgenmuffel

Wien - SPÖ-Kultursprecherin Elisabeth Hakel fordert von ORF-Chef Alexander Wrabetz Konsequenzen bei Ö3. Begründung: Das ORF-Popradio habe sich im August wieder weiter vom versprochenen Anteil österreichischer Musik entfernt. Anlass: Der stellvertretende Ö3-Chef Albert Malli arbeitet für die deutsche Beraterfirma BCI. Malli sagte dem "Kurier", er halte für BCI einmal im Jahr oder seltener eine Beratungs-Veranstaltung. BCI spielt eine Schlüsselrolle bei der Musikprogrammierung.

"Ich habe nichts gegen punktuelle Beratungen und halte es für durchaus sinnvoll, sich von Zeit zu Zeit einem Blick von außen zu stellen, aber hier scheint es weitergehende Verbindungen zu geben", kritisiert Hakel. Und stellt Verbindungen her: "Ich kann auch die Musikschaffenden verstehen, die in der Tätigkeit des Beratungsunternehmens BCI auch einen Grund dafür sehen, dass der Anteil österreichischer Produktionen in Ö3 so niedrig ist."

20 Jahre treuer Beratungskunde von BCI

Seit rund 20 Jahren lässt sich Hitradio Ö3 von einer deutschen Consultingfirma beraten, die laut Senderchef Georg Spatt "Moderatorencoachings, strategische Coachings und internationale Programmbeobachtung" liefert, berichtet der "Kurier".

Hakel kritisiert weiters, dass der ORF nach wie vor seinem gesetzlichen Auftrag, österreichische künstlerische und kreative Produktionen angemessen zu berücksichtigen, trotz der von Generaldirektor Wrabetz unterzeichneten Musikcharta nicht nachkomme. Sie ortet "massiven Handlungsbedarf bei Ö3". Hätte der ORF konsequent wie vereinbart seit 2008 den ÖsterreicherInnenanteil um zwei Prozentpunkte pro Jahr erhöht, wäre Ö3 jetzt bei 21 Prozent und Radio Wien bei 15,3 Prozent, sagt Hakel. "Ich denke, dass sich ORF-Generaldirektor Wrabetz die Frage stellen muss, ob seine Unterschrift auf der Musikcharta etwas wert ist, da ja offenbar seine Anweisungen missachtet werden", sagt Hakel.

Tiefer liegender Grant: "Wecker"-Satire

Jenseits von österreichischer Musik und Nebenjobs von Ö3-Managern sind (Regierungs-)Politiker auf das ORF-Popradio seit langem schlecht zu sprechen: Die Politikersatiren im "Wecker" sorgten vielfach für Unmut. Mit der Ö3-"Morgenshow" gehen immerhin weite Teile der Bevölkerung in den neuen Tag. (red, derStandard.at, 11.9.2014)

  • Der stellvertretende Ö3-Chef Albert Malli.
    foto: der standard / robert newald

    Der stellvertretende Ö3-Chef Albert Malli.

Share if you care.