Unterforderung im Job ist häufiger als Überforderung

12. September 2014, 11:17
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Vor allem Teilzeitkräfte leiden unter "Boreout", ein Drittel steht unter Daueranspannung, sagen die jüngsten Daten des Ifes-Instituts

Jeder Arbeitsplatz in Österreich ist seit der Novelle zum Arbeitnehmerinnenschutzgesetz auch hinsichtlich seiner psychischen Belastungsfaktoren zu evaluieren. Was viele Unternehmen nicht freut und womit auch Arbeitsinspektorate kämpfen, hat sich als neues Geschäftsfeld aufgetan.

Für solche, die beim Evaluieren helfen, und für solche (Arbeitspsychologen), die bei den Maßnahmen zur Verbesserung helfen. Die Sozialforscher von Ifes sind nun auch mit einem Evaluierungstool auf dem Markt und haben zwecks Bekanntmachung eine repräsentative Befragung heimischer Berufstätiger gemacht.

Vielen ist fad

Überraschendes Ergebnis: Unterforderung stresst häufiger als die viel besprochene Überforderung: 23 Prozent kreuzten „unterfordert“ an, nur sieben Prozent „überfordert“. Vor allem Teilzeitbeschäftigte und da vor allem Frauen zählten sich zu den Unterforderten. Was manchen ein mildes Lächeln abringt, dürfte de facto eine Art Dequalifizierung sein: Frauen in Teilzeit wird weniger zugetraut, sie werden öfter unter dem Niveau ihres Könnens beschäftigt. „Sie bekommen die unwichtigen Aufgaben“, vermutet Ifes-Projektleiterin Eva Zeglovits.

Viele stehen unter Strom

Arbeiten unter Strom ist indes – das bestätigt auch diese Untersuchung – zu einem Flächenphänomen geworden: 32 Prozent geben an, dass sie keine oder kaum Zeit hätten, einmal durchzuschnaufen. Fast ein Drittel fühlt sich auch durch Überstunden belastet.
Ebenso die ständige Erreichbarkeit: Je höher das Ausbildungsniveau, desto weniger wird abgeschaltet. Insgesamt sind demnach 22 Prozent für ihre Arbeitgeber am Wochenende erreichbar; steht ein Uni- oder FH-Abschluss im Lebenslauf, ist es schon jeder und jede Zweite.

Erneut liefert diese Befragung auch Belege dafür, dass die Angst um den Job einen Grundsockel erreicht hat: 34 Prozent sagen, dass sie auch bei gesundheitlicher Einschränkung arbeiten gehen.

Ständige Unterbrechungen sind in puncto Arbeitsprozess für 23 Prozent eine Belastung, im Handel für 32 Prozent. Stehzeiten, also auf den nächsten Einsatz zu warten, tritt ebenfalls als ordentliche Belastung zutage: 40 Prozent in pädagogischen Berufen empfinden das so. Dort belastet übrigens (27 Prozent) auch das Fehlen von Arbeitsmaterialien.

Ergebnis schlechter Führung

Interessant sind die Ergebnisse dort, wo offenbar schlecht geführt wird: 44 Prozent haben keine Ansprechperson im Betrieb – Migranten sagen zu zwei Dritteln, dass eine solche fehle. 20 Prozent sagen, es belaste, dass sie von Vorgesetzten keine Unterstützung erhalten. 23 Prozent leiden unter eine Unstimmigkeit zwischen ihrer Verantwortung und ihrem Entscheidungsspielraum, müssen also offenbar exekutieren, was sie nicht mitbestimmen können. (kbau, DER STANDARD, 13./14.9.2014)

  • Zum Gähnen finden nicht nur Robben ihr Dasein in einem Tierpark, auch viele Arbeitnehmer ist fad.
    foto: dpa

    Zum Gähnen finden nicht nur Robben ihr Dasein in einem Tierpark, auch viele Arbeitnehmer ist fad.

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