Anzahl südamerikanischer Froschspezies viel größer als angenommen

11. September 2014, 12:33
1 Posting

Forscher entdeckten enorme genetische Diversität bei weit verbreiteten Laubfröschen, die bislang für eine einzige Art gehalten wurden

Natal - Südamerika ist die artenreichste Region der Erde. Hier leben auch die meisten Froscharten, und jedes Jahr werden neue Spezies entdeckt. Dabei werden auch immer wieder unter bereits länger bekannten Spezies eigenständige Arten identifiziert.

Für eine aktuelle Studie in "Plos One" sammelten 30 Forscher aus 11 Ländern hunderte Proben eines kleinen Laubfrosches (Dendropsophus minutus) aus seinem riesigen Verbreitungsgebiet, das sich von der Karibikinsel Tobago und Venezuela im Norden über Französisch-Guyana, Kolumbien, Ecuador, Peru, Bolivien, Paraguay und ganz Brasilien bis nach Argentinien erstreckt.

43 genetische Linien

Bei der Analyse entdeckten sie eine enorme versteckte Vielfalt von 43 genetischen Linien, die bisher (fast alle) derselben Art zugerechnet wurden. Viele dieser Linien dürften aber eigenständige Arten repräsentieren und deuten darauf hin, dass die tatsächliche Vielfalt Südamerikas noch größer ist als bisher angenommen.

Zudem fanden die Forscher mit Hilfe von Klimamodellen und modernen Methoden Hinweise auf lange Ausbreitungswege zwischen Amazonien im Westen und dem Atlantischen Regenwald im Südosten und bestätigten so eine über 50 Jahre alte Hypothese.

Enorme Vielfalt

"Unsere Arbeit zeigt die Bedeutung von breiter internationaler Kooperation, besonders wenn es um Arten mit länderübergreifender Verbreitung geht", sagt Marcelo Gehara von der Universidade Federal do Rio Grande do Norte in Brasilien und Erstautor der Studie. "Wir brauchen aber noch mehr Daten um genauer zu verstehen, wie viele der genetischen Linien tatsächlich neue Arten darstellen."

Neue Arten finde man keineswegs nur in abgelegenen Urwäldern, ergänzt Frank Glaw von der Zoologischen Staatssammlung in München. Gerade in scheinbar weit verbreiteten Arten stecke oft eine unerwartete Vielfalt. Sie würden ein großes Potential bergen, um biogeographische und entwicklungsgeschichtliche Prozesse zu erforschen. (red, derStandard.at, 11.9.2014)

Share if you care.