Sonnenschein kann als "Motor" für Suizid wirken

11. September 2014, 12:32
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Erhöhter Aktivitätslevel kann Impulsivität steigern - Daten zu 70.000 Selbstmorden für Studie der Med-Uni Wien auswertet

Wien - Der Beginn einer Schönwetter-Phase kann für depressiv verstimmte Personen der "Motor" für einen Suizid sein. Laut einer im US-Fachblatt "Journal of the Medical American Association (JAMA)" veröffentlichten Studie der Med-Uni Wien ist der Grund hierfür die durch den Sonnenschein hervorgerufene innere Unruhe und erhöhte Aktivität, hieß es in einer Aussendung am Donnerstag.

Lange Zeiträume mit Sonnenschein wirken hingegen - wie viele wissenschaftliche Studien belegen - bei depressiv verstimmten Personen heilsam, jedoch nicht von Anfang an. "Zwischen dem 14. und 60. Tag einer Schönwetter-Phase war die Wirkung der Sonne eindeutig positiv, es gibt weniger Suizide und die Sonne schützt geradezu davor", erklärte Matthäus Willeit, der die Studie gemeinsam mit Nestor Kapusta leitete.

Daten aus den Jahren 1970 bis 2010

Die Wissenschafter der Universitätsklinik für Psychiatrie und Psychotherapie und der Universitätsklinik für Psychotherapie und Psychoanalyse der Med-Uni Wien untersuchten Suiziddaten in Österreich zwischen Jänner 1970 und Mai 2010. Je unmittelbarer nach einer Periode mit wenig Licht die Sonne auf die menschliche Seele einwirkt, desto gefährdeter sind vulnerable Personen, lautete das Fazit. "In den ersten Tagen führt viel Sonne bei Menschen im Allgemeinen zu einem erhöhten Aktivitätslevel. Das kann bei depressiv verstimmten Personen zu Antriebssteigerung, innerer Unruhe und vermehrter Impulsivität führen und dazu führen, dass Suizidgedanken dann tatsächlich eine Suizidhandlung auslösen", fasste Willeit die Ergebnisse zusammen.

Das Fazit wird auch durch die Tatsache unterstrichen, dass in Österreich, aber auch in den meisten anderen Ländern, die meisten Selbstmorde im Frühling begangen werden. In der Untersuchung wurden Daten zu fast 70.000 Suiziden und meteorologische Daten aus 86 Messstationen in Österreich aus vier Jahrzehnten zueinander in Beziehung gesetzt. Um den Einfluss anderer jahreszeitlicher Rhythmen auf die Ergebnisse - etwa saisonale Veränderungen in der Arbeitslosigkeit - auszuschließen, wurde Saisonalität aus den Daten mathematisch entfernt, sodass nur mehr der Einfluss des Sonnenlichts auf die Häufigkeit von Suiziden gemessen wurde. (APA, derStandard.at, 11.9.2014)

Anlaufstelle für Hilfesuchende

Kriseninterventionszentrum

Telefonseelsorge Tel. 142
Sozialpsychiatrischer Notdienst 01/313 30

  • Lange Zeiträume mit Sonnenschein wirken bei depressiv verstimmten Personen heilsam, aber nicht von Anfang an.
    foto: ap/andreas gebert

    Lange Zeiträume mit Sonnenschein wirken bei depressiv verstimmten Personen heilsam, aber nicht von Anfang an.

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